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Von Wirtschaft und Winterschlaf

Bern ist berühmt für allerlei Einzigartiges: Die wunderschöne Altstadt mit dem Zytglogge-Turm, den Bärenpark, die gesellig-langsame Art der Berner «Giele und Modis», den sympathischen Dialekt und natürlich: die schöne grüne Aare. Lebensqualität pur also, von der selbst lokal-patriotische Zürcher Musiker schwärmen und singen. Als Wirtschaftsstandort jedoch gilt Bern nicht gerade als bärenstark. «Wir haben halt keine internationalen Konzerne, dafür aber die Bundesverwaltung», werden Politikerinnen und Politiker oft und gerne von den bernischen Gazetten zitiert. Ähnlich tönt es immer mal wieder an Stammtischen und in Berns Gassen. Ist halt so, voilà, kann man nichts machen. Die Frage, welche sich einigermassen dynamischen Köpfen aufdrängen sollte, lautet dabei aber: «Wieso ist das so? Wieso sind in der Bundeshauptstadt, notabene mit einer Universität von Weltrenommée, kaum internationale, grosse Unternehmen ansässig?». Gewiss, die Steuerbelastung in Bern ist im schweizweiten Vergleich hoch, in nationalen Medien ist oft von der «Steuerhölle Bern» die Rede. Aus internationaler Betrachtung ist Bern jedoch aus zahlreichen Gründen, gerade auch aufgrund der hohen Lebensqualität, ein äusserst attraktiver (Wirtschafts-)Standort. Wieso also verfügt beispielsweise die Stadt Zürich beinahe über das dreifache BIP im Vergleich zur Stadt Bern – und wies erst kürzlich einen Überschuss von 300 Mio. Franken aus, währenddem Bern kurz vor der Zwangsverwaltung steht? Zugegebenermassen ein etwas unfairer Vergleich, aber die Welt ist nun einmal nicht immer fair. Auch nicht in Bern.

Was Bern braucht, ist eine Wirtschaftsförderung mit ernst gemeinter politischer Rückendeckung. Es hilft kaum, dass der Berner Stadtrat Werbeverbote beschliesst, über das Unterbinden von Kirchenglocken-Geläut debattiert und der seit einem Monat einzige Social Media-Post von Stadtpräsident Alec von Graffenried ein Aufruf zu einer Kundgebung auf dem Bundesplatz ist. Es scheint, als wäre die Stadt Bern und, insbesondere deren «Classe politique», träge, selbstgefällig und grundlos arrogant geworden. Da reicht ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher, um zu erkennen, wohin ein solches Verhalten unweigerlich führt.

Bern, Du bist ein wundervoller Ort. Aber bitte wach auf, mach etwas aus Dir und hör auf, bequem zu sein – auch wenn Dein Stapi etwas anderes vorlebt. Immerhin, die Bären im Bärenpark erwachen nun langsam aus ihrem Winterschlaf und bewegen sich.

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In der Flüstertüte berichtet der BärnerBär immer wieder über Gerüchte aus der Hauptstadt. Du hast etwas gesehen oder gehört, von dem der Bär wissen sollte? Hier kannst du es ihm flüstern!

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