Leiste der Stadt Bern: Der Länggass-Leist

Aufbruch und Power mit neuem Vorstand

Eingefleischte Länggässler: Marc Rufer, Florence Pärli, Thomas Brumann und Stefan Plüss. Foto: Daniel Zaugg

Beinahe sah es aus, als müsste der Länggass-Leist nach über 150-jährigem Bestehen aufgelöst werden. Vier junge, beherzte Länggässler wissen es zu verhindern. Im Gespräch mit dem BärnerBär bekunden alle vier neuen Vorstandsmitglieder ihren entschlossenen Willen zum Weitermachen.

Sie heissen Florence Pärli, Thomas Brumann, Stefan Plüss und Marc Rufer. Sie haben unterschiedliche Berufe, aber eine Gemeinsamkeit: Alle vier sind eingefleischte Länggässler und beste Werbebotschafter für «ihr» Quartier. Marc Rufer, Architekt, ist in der Länggasse aufgewachsen und betreibt heute sein Architekturbüro an der Zähringerstrasse. Florence Pärli, die Co-Präsidentin, ist Juristin im Steuerrecht. Sie wohnt mit ihrem Mann in der Nähe des Bierhübelis und pflegt einen grossen Freundeskreis im Quartier. Thomas Brumann, selbstständiger Rechtsanwalt, betreibt seine Kanzlei an der Länggassstrasse und wohnt seit mehreren Jahren mit seiner Familie in der Länggasse. Stefan Plüss ist Fahrlehrer und wohnt und arbeitet seit vielen Jahren an der Zähringerstrasse. Sie alle schätzen die zentrale Lage zu Innenstadt und Bremgartenwald als Naherholungsgebiet, die vielfäligen Sport-, Kultur- und Gastronomieangebote. «Wir leben zwar in der Stadt und dennoch im Dorf», fasst Florence Pärli zusammen, «obschon wir mit rund 20 000 Bewohnenden etwa die Grösse von Solothurn erreichen. Man fühlt sich wohl und heimelig.»

Nicht nur konsumieren, auch mitgestalten
Es war vor zwei Jahren, als Florence Pärli und Thomas Brumann vom damaligen Vorstand um Mithilfe angefragt wurden. «Man suchte Mitglieder mit einem direkten Bezug zum Quartier und es ging darum, den Leist nach der Corona-Zeit wieder zu beleben», erinnert sich Co-Präsident Thomas Brumann. Die beiden merkten aber, dass sie die immense Arbeit alleine nicht bewältigen konnten, und suchten engagierte Mitstreiter – und fanden sie in Marc Rufer und Stefan Plüss. «Wenn die beiden uns nicht zugesagt hätten, wären wir gezwungen gewesen, die Auflösung des Leists einzuleiten. Es war buchstäblich fünf vor zwölf!», sagt ein heute erleichterter Thomas Brumann. Für Marc Rufer ist es eine logische Folge, sich im Leist zu betätigen: «So kann ich der Länggass-Bevölkerung etwas zurückgeben – ich werde sozusagen vom Statisten zum Akteur.»

Der Zweckartikel der Vereinsstatuten sieht unter anderem vor, dass der Leist dazu beitragen will, «das Quartier als wohnliches und für das Gewerbe geeignetes Quartier» zu gestalten. Ist diese Absichtserklärung Wirklichkeit? Thomas Brumann sieht es differenziert: «In Bezug auf die Wohnqualität kann ich das sehr bejahen. Die Länggasse ist als Wohnquartier äusserst beliebt und geeignet und wird vor allem von Familien geschätzt. Beim Gewerbe sehe ich noch Potenzial. Wo früher Gewerbebetriebe ihrer Arbeit nachgingen, ist Wohnraum entstanden.» Es sei eines der angestrebten Leist-Ziele, sich wieder verstärkt für die Anliegen des Gewerbes einzusetzen.

Verkehrsfragen im Vordergrund
Der Länggass-Leist sieht weiter eine seiner Aufgaben in der Förderung der Nachbarschaftshilfe und der Vernetzung im Quartier. Hier kann Co-Präsident Brumann bereits ein kleines Beispiel von Nachbarschaftshilfe nennen: Mit dem Ende der Pandemie stieg das Bedürfnis, sich abends wieder zu vergnügen. Ein grosses Nachholbedürfnis und eine neue Generation von Ausgänger:innen verschärfen aber aktuell die Situation rund um die Kulturstätte Bierhübeli. Die Veranstalter machen die Gäste mit grossem Aufwand auf die Bedürfnisse der Anwohnenden aufmerksam und appellieren an die Vernunft: «Das ist ein Wohnquartier. Hier wohnen Leute. Danke für eure Rücksichtnahme.» Der Länggass-Leist unterstützt diese Bemühungen aktiv, ist überzeugt, dass ein friedliches Nebeneinander möglich ist und ruft alle Beteiligten zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf.

Grossen Handlungsbedarf für den Leist sieht Co-Präsidentin Florence Pärli bei Verkehrsfragen. «Wohl kaum ein anderes Quartier ist so stark von den Verkehrsmassnahmen der Stadt Bern betroffen», ist sie überzeugt. Dabei nennt sie konkret die Teilsperrung der Mittelstrasse, wo der Leist zwingend flankierende Massnahmen fordert, weil dieser Streckenabschnitt vielen Quartierbewohnenden und Gästen als Verbindung zwischen Ost und West dient. Durch die Sperrung werden die Fahrten umgeleitet und belasten das Quartier an Orten, die deutlich weniger übersichtlich und sicher sind als die Mittelstrasse. «Es geht bei solchen Projekten stets darum, möglichst alle Anspruchsgruppen anzuhören und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen», so Florence Pärli.

Vorstandsmitglied und Fahrlehrer Stefan Plüss doppelt nach und nennt das Parkierproblem im Quartier. Der Parkierdruck sei gross, einerseits werde die Zahl der Parkplätze reduziert, andererseits sei das Gewerbe dringend auf Parkplätze angewiesen. Es gehe nun darum, wieviele weisse und wieviele blaue Zonen im Quartier sinnvoll seien, um die verschiedenen Bedürfnisse zu erfüllen. «In den verschiedenen Quartierorganisationen wurde das Problem besprochen. Die Stadt wird nun neue Vorschläge unterbreiten, bevor wir zur Abstimmung schreiten», ergänzt Stefan Plüss.

Direkter Draht zum Vorstand
Co-Präsident Thomas Brumann lobt die Veranstaltungen der Quartierkommission (QLE), wo mehrere Quartierorganisationen mitwirken. Allerdings hätten bürgerliche Kreise in der Vergangenheit bei den Zusammenkünften meist durch Abwesenheit geglänzt, bemängelt er. «Es ist unsere klare Absicht, hier künftig lückenlos anwesend zu sein und uns einzubringen. Diese nützliche Plattform gilt es zu nutzen», sagt Thomas Brumann mit Nachdruck.

Dem neuen Vorstand des Länggass-­Leists ist es eine Herzensangelegenheit, in regelmässigem Kontakt mit der Quartierbevölkerung zu stehen, nicht zuletzt auch mit Hilfe sozialer Medien. «Man kann uns auf allen Kanälen erreichen», betonen alle vier Vorstandsmitglieder unisono. Die Arbeit im vierköpfigen Gremium gestaltet sich unbürokratisch, unkompliziert und effizient. «Nun können die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden», zeigt sich Thomas Brumann erleichtert. Und Marc Rufer ergänzt: «Durch unsere verschiedenen Berufe ergänzen wir uns ideal. Wir stehen zwar noch am Anfang, aber wir sehen nicht bloss ein Licht am Horizont, sondern sogar einen Scheinwerfer!» Der Länggass-Leist im Aufbruch.

DER LÄNGGASS-LEIST AUF EINEN BLICK

  • Gegründet 1865
  • Rund 160 Mitglieder
  • Er vertritt im Quartier die bürgerlichen Anliegen und fördert ein gutes Einvernehmen zwischen lokalem Gewerbe, Dienstleistern und der Bevölkerung.
  • Der Leist fördert die Nachbarschaftshilfe und die Vernetzung im Quartier.
  • Mitgliederbeitrag: CHF 30.–
  • Vorstand:
    Florence Pärli, Co-Präsidentin
    Thomas Brumann, Co-Präsident
    Stefan Plüss
    Marc Rufer

Weitere Infos: laenggass-leist.ch

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