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Dominik Gysin: «Ich werde oft als Bösewicht gecastet.» Foto: Helen Lagger
Theater- und Filmschauspieler Dominik Gysin

Die Schauspielerei in North Carolina entdeckt

Dominik Gysin ist Theater- und Filmschauspieler und Sprecher. Mal wird er als Bauer, als Fellini oder als Kiffer gecastet. An der Hochschule der Künste stellte er erfreut fest: Hier kannst du blöd tun.

«Die Wildsau fehlt», – diesen einzigen Satz sprach Dominik Gysin in der SRF-Serie «Wilder» irgendwann in der vierten Staffel. Der Theater- und Filmschauspieler lacht über diesen Kurzauftritt, in dem viele Berner:innen aus der sogenannt Freien Szene mitspielten. Marcus Signer, Doro Müggler oder Jonathan Loosli waren in der Serie zu sehen. Gysin ist in Bern bestens vernetzt, hat sowohl bei Bühnen Bern wie in freien Produktionen, etwa unter der Regie von Meret Matter gespielt. Sein vielleicht denkwürdigster Auftritt ist jener als Fellini in der Produktion des Theaterkollektivs VOR ORT von 2015. Das Spektakel basierte auf Charles Lewinskys Stück «Fellinis Totale Liebe» und Gysin schlüpfte dabei in die Rolle des kultigsten Regisseurs aller Zeiten: Federico Fellini (1920 –1993). Gespielt wurde im Tramdepot Burgernziel, das die Truppe in das legendäre Filmstudio Cinecittà verwandelte. Hier fuhr Gysin als Zampano des Films stilecht in einer Vintage-Karre ein, verschlang am Set Spaghetti und knallte mit einer Peitsche, um seine wildesten Phantasien ganz undemokratisch Realität werden zu lassen. Mehr Italianità konnte ein Berner nicht verströmen. «Wir suchen einen Schweizer» hatte man Gysin bei Castings schon gesagt, der auch mal für einen Araber gehalten wird. «Heute werde ich öfter auch mal als Bauer gecastet», sagt er lachend. Oder als Kiffer. So trat der Schauspieler etwa in einem Drogenpräventionsfilm der Schweizer Armee auf. «Es geisterte lange Zeit ein Plakat von mir herum, auf dem ich einen Joint rauche und verpeilt dreinschaue.»

Doch kein Clown
In seiner Schulzeit wusste Gysin nicht so recht, warum er die Schulbank drückte. «Ich verbrachte die meiste Zeit in der Mensa und machte den Clown.» Tatsächlich hatte er ursprünglich Clown werden wollen. «Meine Familie und ich fuhren immer in den Herbstferien ins Tessin, wo wir uns Dimitiris Auftritte anschauten. Das hat mich inspiriert.» Doch Gysin merkte, dass ihm das Talent für Akrobatik fehlt und gab diesen Traum auf. Die Schauspielerei entdeckte er, als er während eines Jahres in North Carolina lebte, weil sein Vater dort eine Stelle innehatte. «Ich und mein Bruder haben uns alle möglichen Filme reingezogen. Keinen Fernseher zu haben, wie es meine Eltern in der Schweiz noch gehandhabt hatten, war in den USA undenkbar.» Serien wie Miami Vice, aber auch grosses Hollywoodkino stand auf dem Programm. Gysin wurde bewusst: Es gibt eine Industrie.

Tenor drang ins Ohr
Wieder zurück in der Schweiz, bewarb er sich an der Hochschule der Künste für ein Schauspielstudium. An der Aufnahmeprüfung musste er improvisieren. Dazu konfrontierte man ihn mit verschiedenen Begriffen, unter anderem mit «Spaghetti Carbonara». Gysin spürte: «Hier kannst du blöd tun.» Und meint damit natürlich die Freiheit, zu spielen. «Wenn du Spaghetti Carbonara spielen musst, musst du zu Spaghetti Carbonara werden.» Gysin stellte das Gericht mit weichen, fliessenden Bewegungen und – wie er es ausdrückt – ein wenig rezent dar und wurde prompt an der Schule angenommen. Bereits während des Studiums konnte er sich kleine Auftritte bei Bühnen Bern sichern. «Ich war der siebte von Links in verschiedenen Produktionen», so Gysin. So spielte er etwa in der komischen Oper «Zar und Zimmermann» einen Soldaten. «Mir war nicht bewusst, dass die Sänger erst in der Generalprobe laut singen, um ansonsten ihre Stimme zu schonen.» Gysin stand neben einem Tenor und als dieser erstmals richtig loslegte, platzte ihm fast das Trommelfell. Einige Schauspieler seien bereit, ans Ende der Welt zu reisen für eine Rolle. Für Gysin war früh klar. «Ich will Familie und brauche meine Freundschaften.» In den Neunzigerjahren war er der Leadsänger einer Funk Band. «Ich habe gesungen und gerappt.» Heute sei er froh, habe es damals noch keine sozialen Medien gegeben. «Man findet uns nicht.»

Naziverleger gespielt
Gysin arbeitet auch als Werbesprecher. Für manche Schauspieler ein Tabu. Dabei sammle man so wichtige Erfahrungen und die Kameraleute seien oft die gleichen wie bei den Spielfilmen. «Du baust dir ein Netzwerk auf.» Auf der Leinwand war Gysin zuletzt im Schweizer Film «A Forgotten Man» von Laurent Nègre zu sehen. Gysin spielte einen Naziverleger. «Ich werde oft als Bösewicht gecastet.» Die Rolle des romantischen Helden habe er sich früh abgeschminkt. Die Hauptrolle – ein Schweizer Botschafter, der aus Deutschland fliehen muss – wird im Film von Michael Neuenschwander gespielt. Gysin war von dem ebenfalls aus Bern stammendem Kollegen beeindruckt. «Er ist tiefenentspannt. Ein wahrer Profi.» Im Stück «Wir Erben» vom Theater Club 111 spielte Gysin den Hauptprotagonisten, eine Figur in allen Lebensaltern bis zum Tod. Meret Matter habe eine sehr schweizerische Geschichte inszeniert, in der es auch um Verdrängtes gehe. Als nächstes plant Gysin eine Soloschau. Er will sich als Stand Up Comedian versuchen. Der Autor Raphael Urweider schreibt die Texte, Gysin gibt die Wildsau.

PERSÖNLICH

Dominik Gysin wurde 1975 in Bern geboren. Er hat an der Hochschule der Künste in Bern Schauspiel studiert. Er ist als Theater- und Filmschauspieler und als Sprecher tätig. Gysin ist mit der Tänzerin und Gastronomin Nina Stadler verheiratet, Vater zweier Kinder und lebt im Berner Generationenhaus.

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