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Bieler Gitarrist und Berner Chansonnier

«Wir haben uns blind vertraut»

Stephan Eicher und Roman Nowka spielen am 21. Mai im National in Bern. Foto: Caspar Martig

Der Bieler Gitarrist Roman Nowka (44) hat den Berner Chansonnier Stephan Eicher (63) für eine neue, jazzige Mani-Matter-Interpretation gewonnen. Das «BärnerBär»-Interview vermittelt ihren speziellen Esprit.

Roman, wie ist dieses Mani Matter Projekt entstanden? Hatten Sie keine Hemmige?
Roman Nowka: Doch! Der Jazzclub Moods in Zürich fragte mich dreimal, ob ich ein solches Programm machen könne. Ich hatte zweimal Nein gesagt, da ich dachte, es wäre schon alles gemacht worden. Plötzlich war jedoch alles klar und ich wusste, dass ich das als Bob Dylan vs. Mani Matter Show aufziehe.
Stephan Eicher: In der Form eines Battle.

Nowka: Genau. Eine Band spielte Dylan Songs, die andere Matter Songs. Nach dem Stück haben wir mit einem Mikrophon den Applaus gemessen. Wer insgesamt mehr Dezibel sammelte, hatte gewonnen.
Eicher: Lass mich raten, wer gewonnen hat …
Nowka: (lacht) Stimmt. Das Publikum hatte Freude und wir auch. Danach haben wir uns entschlossen, mehr daraus zu machen.

Wie stiess Endo Anaconda dazu?
Nowka: Ich sagte auf der Bühne, es wäre gut, noch jemanden zu haben, der singt. Da hat jemand von der Bar geschrien: «Endooo!».
Eicher: Gute Geschichte, die kannte ich noch gar nicht. (Lacht)

Haben Sie sich sofort gefunden?
Nowka: Ehrlich gesagt, als wir probten, hat es anfänglich gar nicht funktioniert. Dann begann er die Songtexte zu lesen. Das gefiel ihm und mir auch. Ich fand es sehr schön, sie mit Musik zu hinterlegen. Zwei oder drei Lieder haben wir zusammen gemacht und ähnlich viele Konzerte geplant, doch dann ist er leider gestorben.

Wie ist es zu Ihren ersten Matter-­Interpretationen gekommen?
Eicher: Züri West, die auf ihre Art, indem sie die Melodie und Harmonisierung leicht veränderten, immer wieder mal einen Matter-Song coverten, inspirierten mich. Nachdem wir 1991 gemeinsam «Dr Alpeflug» aufgenommen hatten, wollte ich, dass auch auf dem Album «Engelberg», das ich mit Studiocracks aus aller Welt einspielte, durch «Hemmige» meine DNA einfliesst. Es wurde zu einem der Lieblingsstücke der Band, was ich Kuno verdanke, da ich ohne ihn gar nicht den Mut gehabt hätte. Wenn mir jemand Licht macht im dunklen Zimmer, laufe ich jedoch ziemlich bald hinterher. (Schmunzelt)

Und Ihnen ist das Publikum wie dem Rattenfänger von Hameln hinterhergelaufen …
Eicher: Überraschenderweise sogar in Paris! Ganz Frankreich hat das Stück auf Bärndütsch adaptiert. Damit hat sich ein Kreis geschlossen, da Matter von Georges Brassens beeinflusst war. Aus diesem Grund haben die Franzosen Struktur, Melodie und Gefühl verstanden, trotz dieser komischen exotischen Sprache. So gibt es einen Tumult und die Leute verlangen das Geld zurück, wenn ich dieses Lied nicht singe!

Insofern haben Sie auch einen Anteil daran, dass Matters Werk nicht vergessen geht.
Eicher: Es ist schön, wenn Sie das so sehen. Ich würde mich nicht getrauen, das zu sagen. «Campari Soda» habe ich nochmals ein wenig beflügelt. Es macht mir aber auch Freude, wenn ich dazu beitragen kann, dass ein Lied bekannt wird. So sang ich «Bälpmoos» schon auf meiner Tournee, bevor Patent Ochsner ein breites Publikum berührt hat und noch in meinem Vorprogramm spielte.
Wie kamen Sie auf Stephan, nachdem Endo Anaconda gestorben war?
Nowka: Ich dachte sofort an ihn, da ich Stephan immer irgendwie mit Mani Matter in Verbindung gebracht hatte.

Wie haben Sie Kontakt aufgenommen?
Nowka: Ich habe ihm eine E-Mail geschrieben, da ich mich nicht traute, ihn anzurufen. Ich erinnere mich noch an die erste Probe. Als Stephan zu den Hot 3 stiess, hatte ich das Gefühl, die Bühne würde sich zwei Meter heben! (Lacht). Das ist jetzt keine Schmeichelei. Ich merkte: «Wow, hier geschieht was!»
Eicher: Da fällt mir ein, dass ich Roman schon vor einigen Jahren auf YouTube entdeckte. Er sah aus wie ein amerikanischer Filmschauspieler aus den Fünfzigerjahren. Die Gitarre hielt er, wie ein Greifvogel sein Opfer unter sich begräbt. (Lacht) Als ich jemand, der jetzt in dieser Band spielt, auf Roman ansprach, sagte er: «Du, ihr werdet nicht miteinander auskommen. No way.» Ich dachte: «Ach schade, sein Gitarrensound hätte mir gefallen.» Bei dieser Hommage an Mani Matter hat sich jedoch gezeigt, dass ich mich mit ihm so gut verstehe wie noch mit kaum jemandem, sowohl als Musiker wie als Mensch.

Haben Sie denn sofort zugesagt, als Roman Sie kontaktierte?
Eicher: Zuerst habe ich gar nicht reagiert, aber das will nichts heissen. Es gibt unendlich viele E-Mails auf dieser Welt …  Ich finde es einfacher, wenn ich einen Telefonanruf bekomme. Dann weiss ich sofort, da gibt es einen Freund, dem es nicht gut geht, und nehme mir Dir Zeit – oder es ist jemand, der einfach plaudern will. (Lacht) Der «Psychologe» in der Band sagte jedoch beim Stichwort Mani Matter: «Das ist doch Roman Nowka, komm, das machen wir!» Anfangs fragte ich mich allerdings: Braucht es noch ein neues Stephan-Eicher-Album?

Woher kamen Ihre Zweifel?
Eicher: Wenn ihr ein Rockalbum hören wollt, hört «Carcasonne», Balladen findet ihr auf «Homeless Songs» und Schweizerdeutsches im «Song Book». Und «Matter Rock» gab es auch schon, wenn auch nicht von mir. Ich dachte zuerst, da wäre alles schon gesungen, aber Matters Lieder gehören eben zum Schweizer Pendant des Great American Songbook.
Nowka: Ich staune immer wieder über dich, Stephan. Als Du das mit unseren Welten erklärt hast, wurde mir plötzlich etwas klar, das ich vorher nicht benennen konnte. Du schenkst mir immer wieder solche Aha-Momente.
Eicher: Ich erkläre Dir noch etwas: Bei Mani Matter reden immer alle vom Text. Der ist unumstösslich brillant, obwohl es heute ein paar Themen gibt, an denen man die Veränderung der Gesellschaft sieht. «Dr Sidi Abdel Assar vo el Hama», darf man das noch? «Luege mir ere Frou höchstens e chly uf d’Bei, will mir Hemmige hei»? Das sind alles Fragen, die wir uns auch auf der Bühne stellen und mit denen wir spielerisch umgehen. Das Geniale ist jedoch, wie Du (Roman) plötzlich die Melodien erkannt hast. Zuerst wollte ich das Album ohne Gesang machen, aber dann wollte ich unsere Kreativität nicht unnötig einschränken. Es ist ja nicht so, dass man morgens aufsteht und eine geniale Idee hat, die Dein Weltbild und Deine Karriere auf einen Schlag verändern wird.»

Sondern?
Eicher: Es ist ein Prozess, kein Masterplan. Man lässt sich inspirieren, wie beim Kochen, wenn man nicht viel im Kühlschrank hat, und erfindet den Toast Hawaii, eine Weltrevolution! (Lacht)

VERLOSUNG

Gewinne mit dem BärnerBär 2 Tickets für das Konzert von Roman Nowka’s Hot 3 mit Stephan Eicher am 21. Mai im National! Erlebe die unsterblichen Lieder des Berner Juristen Mani Matter in einer einzigartigen, jazzigen Interpretation. Mach jetzt für die Verlosung und sei live dabei, wenn die Hot 3 die musikalischen Qualitäten von Matters Werk zum Leben erwecken.

MITMACHEN

PERSÖNLICH

Sänger & Gitarrist Stephan Eicher und Gitarrist Roman Nowka’s Hot 3, zu der auch Simon Gerber (Bass) und Lionel Friedli (Schlagzeug) gehören, erweisen Mani Matter auf dem Album «Kunscht isch geng es Risiko» die Ehre und auf der aktuellen Tournee mit den unsterblichen Liedern des Berner Juristen, der 1972 mit erst 36 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Das Quartett spiegelt gesanglich und instrumental versiert den Humor und die musikalischen Qualitäten seines Werks, von dem in der Deutschschweiz beinahe jedes Kind und alle Erwachsenen gehört haben. Live: 21. Mai Bern National.

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