Bernhard Emch: «Warum kamen so wenige Besucher?»

Bern,
Aus Sicht von Bernhard Emch war die erste Berner Wirtschaftsnacht kein Misserfolg. Dennoch wundert er sich über die niedrige Anzahl an Besuchenden.

Die erste Wirtschaftsnacht in Bern und Ostermundigen war eine gute Idee. Rund 30 Unternehmen und Organisationen öffneten am 5. Juni ihre Türen und gaben Einblick in Produktion, Gewerbe, Technik, Dienstleistung, Handwerk und Ausbildung.
Wer dabei war, konnte sehen, wie vielfältig und engagiert die regionale Wirtschaft ist. Und doch bleibt nach der Premiere eine Frage: Warum kamen so wenige Besucherinnen und Besucher? Lag es am Desinteresse der Bevölkerung?
Vielleicht teilweise. Wirtschaft ist für viele Menschen abstrakt geworden. Man spricht über Preise, Löhne, Fachkräftemangel, Lehrstellen oder Verkehr – aber selten über die konkreten Menschen und Betriebe dahinter.
Viele wissen gar nicht, was in ihrer unmittelbaren Umgebung produziert, geplant, repariert oder entwickelt wird. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Wirtschaft heute zu wenig sichtbar ist. Industrie- und Gewerbegebiete liegen nicht mehr in der öffentlichen Wahrnehmung – und wenn, dann eher negativ wegen störendem Verkehr und Emissionen.
Man fährt daran vorbei, sieht Hallen, Tore und Firmenlogos. Was dahinter geschieht, bleibt verborgen. Dabei entstehen genau dort Arbeitsplätze, Lehrstellen, Wertschöpfung und ein wichtiger Teil jener Stabilität, von der eine Region lebt.
Die Premiere darf deshalb nicht als Misserfolg verstanden werden. Sie zeigt vielmehr, dass es solche Formate braucht – aber auch, dass eine einzelne Veranstaltung nicht genügt. Vertrauen entsteht durch Begegnung, durch offene Türen, durch Gespräche und durch Menschen, die erklären, was sie tun.

Darum lohnt sich der Blick nach Westen. Im Westen von Bern gibt es funktionierende Industrie-, Gewerbe- und Wirtschaftsbetriebe, die seit Jahren einen wichtigen Beitrag leisten. Warum also nicht eine nächste Wirtschaftsnacht in Bümpliz, Bethlehem, Ausserholligen oder angrenzenden Wirtschaftsstandorten durchführen?
Die erste Wirtschaftsnacht war ein Anfang. Nun gilt es, daraus zu lernen: besser kommunizieren, früher mobilisieren, Bevölkerung, Schulen, Quartiere und Vereine stärker einbinden – und die nächste Ausgabe dorthin bringen, wo die Wirtschaft ebenfalls pulsiert und greifbar ist.
Zum Beispiel in den Westen von Bern. Denn regionale Wirtschaft verdient nicht nur Wertschätzung in Sonntagsreden. Sie verdient Sichtbarkeit.
Zum Autor
Bernhard Emch ist der CEO der EMCH Aufzüge AG und Vorstandsmitglied der HIV-Sektion Bern.







