Kandersteg BE wehrt sich gegen Asyl-Grossprojekt

Nico Leuthold
Nico Leuthold, Vivian Balsiger

Frutigen-Niedersimmental,

Kandersteg BE kämpft gegen eine geplante Asylunterkunft für 200 Personen: «So viele Personen auf einmal kann die Gemeinde nicht verkraften.»

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In Kandersteg sollen ab 2028 bis zu 200 Asylsuchende untergebracht werden – Die Gemeinde wehrt sich. - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • In Kandersteg soll ab 2028 eine Asylunterkunft für bis zu 200 Personen entstehen.
  • Die Gemeinde warnt, dass Infrastruktur und Schule durch die Grösse überlastet werden.
  • Politiker forderten mehr Mitsprache und Entschädigung für Gemeinden bei solchen Projekten.
  • Die Gemeinde hat nun sogar einen Anwalt eingeschaltet.

Aus einem ehemaligen Internat in Kandersteg BE soll ab Anfang 2028 eine Asylunterkunft werden. Mit Platz für bis zu 200 Geflüchtete.

Normalerweise sollen dort rund 160 Personen gleichzeitig leben. Für die 1300-Seelen-Gemeinde ist das eine Herausforderung, die für heftige Diskussionen sorgt.

Gemeindepräsident und Mitte-Grossrat René Maeder schlägt Alarm.

Im Nau.ch-Video macht der Gemeindepräsident klar: Nicht die Aufnahme von Geflüchteten sei das Problem – sondern die Grösse der geplanten Unterkunft.

Zu viel für die Gemeinde

Denn das Gebäude sei ursprünglich für deutlich weniger Menschen gedacht gewesen: Die Unterkunft sei eigentlich für 60 bis 80 Personen konzipiert – nicht für 200, erklärt Maeder. Sein Fazit: «So viele Personen auf einmal kann die Gemeinde nicht verkraften.»

Dann ging Kandersteg auch politisch in die Offensive. Maeder hat gemeinsam mit weiteren Berner Oberländer Grossratsmitgliedern eine Motion eingereicht.

Die Forderung: Bei grossen Asylprojekten soll der Kanton (der die Geflüchteten auf die Gemeinden verteilt) künftig zuerst die betroffenen Gemeinden anhören müssen. So sollte die Standortgemeinde ihre Zustimmung geben müssen, wenn die Belegungskapazität einer Asylunterkunft mehr als fünf Prozent der Wohnbevölkerung ausmacht.

Sind 200 Asylsuchende zu viel für Kandersteg?

Zudem sollten Gemeinden für nachweisbare Mehrkosten angemessen entschädigt werden. Dann der Dämpfer: Der Grosse Rat hat sich gegen ein Vetorecht der Standortgemeinden ausgesprochen.

Maeder betont gegenüber Nau.ch: Kandersteg sei nicht grundsätzlich gegen Geflüchtete: «Wir sind nicht per se gegen Asylsuchende.» Die Menschen hätten es verdient, aufgenommen zu werden. Doch eine Unterkunft dieser Dimension sei der falsche Weg.

«Ghettohaltung»

Mit 200 Personen drohe beinahe eine «Ghettohaltung». «Eine gute Integration ist im kleineren Rahmen viel besser», ist der Gemeindepräsident überzeugt.

Seine Sorge: Das Dorf könnte an seine Grenzen kommen. Schulen, Verkehr und öffentlicher Verkehr seien bereits stark gefordert – auch wegen der vielen Touristen. «Es platzt aus allen Nähten», so Maeder.

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Gemeindepräsident René Maeder wünscht sich eine alternative Lösung. - Nau.ch

Zusätzlich steht das Gebäude selbst im Fokus. Die ehemalige Internatsanlage sei stark sanierungsbedürftig und müsse zwingend erneuert werden. Sonst sei es «unmöglich». Es bestehe auch bereits ein Baugesuch – in Höhe von 1,7 Millionen Franken, erklärt Maeder.

Jetzt kommt der Anwalt

Ende Monat trifft sich die Gemeinde mit dem Amt für Migration. Dabei soll geprüft werden, ob es Alternativen gibt. «Ich hoffe, dass wir ein gutes Resultat für beide Seiten finden», sagt Maeder. Für ihn ist klar: Eine kleinere, dezentralere Lösung wäre der bessere Weg.

Die Gemeinde wehrt sich nun weiter – und hat bereits einen Anwalt eingeschaltet. Dieser soll klären, ob eine Unterkunft dieser Grösse baulich und rechtlich überhaupt möglich ist. Und ob Kandersteg tatsächlich 200 zusätzliche Bewohner verkraften kann.

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