KI soll Blutungen bei Operationen verhindern

Bern,
Künstliche Intelligenz hilft künftig am Inselspital in Bern gefährliche Überraschungen im Operationssaal zu vermeiden. Ein neues Tool erkennt vor Eingriffen neun von zehn Patientinnen und Patienten mit einer milden Blutungsstörung – einer Erkrankung, die im Alltag oft unentdeckt bleibt.

Gerade bei Operationen kann eine solche Blutungsstörung zum Problem werden, wie das Inselspital am Dienstag mitteilte. Betroffene bluten unter Umständen stärker als erwartet. Für Ärztinnen und Ärzte ist das Risiko bisher schwierig einzuschätzen, weil gängige Screeningverfahren nur begrenzt aussagekräftig sind.
Das von Forschenden des Inselspitals und der Universität Bern entwickelte System «MBD-Check» setzt hier an. Es berechnet anhand weniger Angaben, darunter Laborwerte, Blutungsgeschichte und Geschlecht, die Wahrscheinlichkeit einer milden Blutungsstörung.
Für die Studie werteten die Forschenden Daten von 772 Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine milde Blutungsstörung aus. In einer unabhängigen Testgruppe erkannte das Tool 90,2 Prozent der tatsächlich Betroffenen korrekt und schnitt besser ab als etablierte Vergleichsverfahren.
«Das Tool ersetzt keine ärztliche Beurteilung», wird Michael Nagler, Letztautor der Studie, in der Mitteilung zitiert. Es helfe aber dabei, jene Personen zu identifizieren, bei denen vor einem Eingriff weitere Abklärungen sinnvoll sein könnten
Die Anwendung ist bereits als frei zugängliches Webtool. Als Nächstes wollen die Forschenden sie in die klinischen Abläufe und Spitalinformationssysteme integrieren. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Lancet Digital Medicine» veröffentlicht.





