«Mir war langweilig»: Bäckerin (23) arbeitet 12 Stunden

Melanie Niklaus schmeisst in Kerzers FR ihre eigene Bäckerei. Dafür ist sie fast pausenlos im Einsatz.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die 23-jährige Melanie Niklaus hat in Kerzers FR eine Bäckerei übernommen.
- 12-Stunden-Arbeitstage und Schlaf in zwei Etappen sind für sie normal.
- An ihrem vorherigen Arbeitsort langweilte sie sich oft.
Eine gute Work-Life-Balance ist der Generation Z heilig. Behält der Chef sie zu oft ein paar Minuten länger im Büro, hüpft sie lieber zum nächsten Job. Aus der Reihe tanzt Melanie Niklaus.
Die 23-Jährige ist Inhaberin der Bäckerei Niklaus in Kerzers FR. Dafür arbeitet sie hart.
Von halb ein Uhr morgens bis mittags steht sie in der Backstube. Am späteren Nachmittag kommt sie in den Laden zurück, um zu putzen und den Abschluss zu machen. Pro Tag arbeitet sie zwölf bis 13 Stunden – und dies sieben Tage die Woche.
Ihren Schlaf gewährt sie sich in zwei Etappen. Nachmittags schläft sie von 13 bis 16 Uhr und abends von 21 Uhr bis 00 Uhr. In der Branche stehen den Arbeitnehmenden pro Jahr fünf Wochen Ferien zu. Melanie Niklaus hingegen begnügt sich mit drei Wochen.
Dies zeigt SRF-«Rec.» in der Reportage «Gen Z und ehrgeizig – Sie trotzen den Klischees».
Januarloch und Sommer seien hart gewesen
Vor drei Jahren übernahm die Bäckerin den Betrieb. Zuvor arbeitete sie als Bäckerin in einem anderen Betrieb. «Dort war mir oft langweilig», sagt Melanie Niklaus zu Nau.ch. Im Januarloch oder im Sommer, wenn nichts los gewesen sei, sei es für sie besonders hart gewesen.
Viele Bäckereien kommen mit der Arbeit hingegen nicht nach, weil sie mit Fachkräftemangel kämpfen. Jedes Jahr schliessen unter anderem deswegen rund 50 bis 80 Bäckereien-Confiserien, wie die Statistik des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes SBC zeigt.
Der Betrieb, in dem Melanie Niklaus zuvor arbeitete, kämpfte mit Personalausfällen. Darauf habe ihr damaliger Chef Personal gesucht, sagt sie.
«Plötzlich waren wir meiner Ansicht nach aber zu viele Angestellte und hatten zu wenig Arbeit.» Sie hingegen möge es, wenn es viel zu tun gebe. «Dann geht die Zeit doch auch schneller rum.»
«Ich beginne von Null»
Die junge Inhaberin hat vier Angestellte in der Backstube und einen Springer. Zehn Angestellte arbeiten im Laden in zwei Schichten. Das Personal im Laden arbeitet Teilzeit, sagt Melanie Niklaus.
Niklaus übernahm einen Betrieb, der in der Krise steckte. «Ich beginne von Null», sagt sie.
Finanziell sei zusätzliche Unterstützung deshalb aktuell nicht möglich. «Zuerst muss ich mir mit der Bäckerei einen Namen machen.» Wenn ihr Betrieb laufe, könne sie eine weitere Person anstellen.
Notarin warnte sie
Jobsharing ist immer beliebter. Knapp 28 Prozent der befragten Organisationen geben in einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz an, dass Mitarbeitende in diesem Modell arbeiten. Sogar Co-Bundesratsämter stehen zur Diskussion.
Für die Bäckerin ist es aber keine Option, ihr Pensum mit jemandem zu teilen. Sie habe sich vor der Übernahme bei einer Notarin informiert.
«Sie sagte mir klar, dass sie nicht meine Notarin sein wolle, gründe ich mit jemandem eine GmbH.» Zu oft habe die Notarin die Erfahrung gemacht, dass Co-Jobs nicht funktionierten.
Kommt es hart auf hart, kann Niklaus trotzdem auf jemanden zählen. «Pedro ist meine rechte Hand und springt ein, wenn ich nicht da bin oder an eine Sitzung muss.» Mit ihm stand sie bereits an ihrer früheren Arbeitsstelle in der Backstube.
Man hat «selten einen 9-to-5-Job»
Silvan Hotz ist Präsident des Zentralvorstands des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands (SBC). Das hohe Arbeitspensum von Jungunternehmerinnen und -unternehmern überrascht ihn nicht.
Gerade in der Gründungs- oder Übernahmephase sei das Engagement meist überdurchschnittlich hoch, sagt er. Dies wisse er aus eigener Erfahrung, so der Geschäftsleiter der Zuger Bäckerei Hotz Rust.
«Und als Unternehmerin oder Unternehmer, egal in welcher Branche, hat man selten einen klassischen 9-to-5-Job», sagt Hotz.
Jedes Jahr verzeichnet der Verband rund 40 neue Mitglieder, die entweder einen bestehenden Betrieb übernähmen oder komplett neu starteten.
Kritik an administrativem Aufwand
Dennoch sieht der SBC-Präsident Handlungsbedarf. «Der administrative Aufwand hat in den letzten Jahren enorm zugenommen», sagt Silvan Hotz.
Dieser müsse zwingend wieder reduziert werden. «Damit sich unsere Betriebe auf die Kernaufgabe, dem Produzieren von Brot und Backwaren, konzentrieren können.»
Ebenso habe die Zahl der Vorschriften enorm zugenommen. «Zahlreiche Behörden legen den Bäckereien-Confiserien zusätzliche Steine in den Weg.» Als Beispiel nennt er Parkplatzreduktionen und langwierige Baustellen vor dem Betrieb mit den entsprechenden Umsatzeinbussen.
Hotz wünscht sich, dass die Öffentlichkeit mehr auf die «vielen erfolgreichen kleinen und grösseren Betriebe» aufmerksam gemacht wird. Diese stellten ihre Produkte mit viel Passion und Knowhow her und bereicherten oft ein Dorf, ein Stadtzentrum oder ein Quartier. Viel schneller mache es hingegen die Runde, wenn eine Bäckerei schliesse.













