Strenge Regeln in Bern: Lädeli-Besitzer platzt der Kragen

Bern,
Ladeninhaber in Bern leiden aktuell unter einer neuen städtischen Regelung zur Auslegeware. Nun platzt einem Ladeninhaber der Kragen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Wer in der Berner Innenstadt einen Laden hat, darf kaum noch Kundenstopper rausstellen.
- Die Gewerbepolizei kontrolliert aktuell, ob diese Regelung auch eingehalten wird.
- Ladenbesitzer Alain Zingg, der ein Modegeschäft führt, macht dieses Vorgehen hässig.
Seit Jahren ist es in der Schweiz ein Thema: Das Lädelisterben.
Denn der Online-Handel setzt dem analogen Detailhandel stark zu. Die Folge: In Schweizer Innenstädten gehen immer mehr Non-Food-Läden zu.
Davon betroffen ist auch die Stadt Bern. Wer regelmässig durch die Innenstadt flaniert, merkt: Immer wieder geht ein Laden zu.
Dem versucht die Stadt entgegenzuwirken. Mit einem besseren Austausch zwischen Gewerbe und Stadt und einer attraktiveren Innenstadt.
2023 startete man gar ein Pilotprojekt, wonach Läden am Samstag bis 18 Uhr geöffnet haben durften. Gebracht hat es wenig, der Versuch wurde daraufhin eingestellt.
Geschäfte leiden unter neuer Regelung
Aktuell jedoch beschneidet die Stadt Bern das Gewerbe. Sie hat die Regeln für Werbung und Auslegeware vor den Läden verschärft – zum Unmut der Ladeninhaberinnen und -inhaber.
Grund für die Verschärfung: Man wolle die Barrierefreiheit auf den Trottoirs vor den Geschäften für alle garantieren.

Bereits im Mai beschwerten sich deshalb mehrere Unternehmerinnen und Unternehmer bei Nau.ch. Sie klagten an, die neue Regelung sei für sie «geschäftsschädigend».
Ladenbesitzer teilt in Wut-Video aus: «Es längt!»
Nun hat es mit Alain Zingg einem weiteren Unternehmer aus Bern den Hut gelüpft. Zingg betreibt seit 2011 in der Nähe des Zytglogge das Herren-Modegeschäft «Kleiderschrank».
In einem Video auf Social Media macht er seinem Ärger Luft. Denn: Zingg, der seinen Laden im Kellergeschoss hat, hat Besuch von der Berner Gewerbepolizei bekommen.
An die Stadt Bern gerichtet, macht er aus seinem Frust keinen Hehl: «Es längt!», ruft er in die Kamera.
Grund dafür ist ein rollender Hosenständer, der auf Zinggs Geschäft aufmerksam macht. Dieser darf nach den neuen Regeln der Stadt Bern nicht mehr draussen stehen.
Hosenständer bringt massiv höhere Verkaufszahlen
Nau.ch konnte mit Ladenbesitzer Alain Zingg sprechen. Er erklärt: «Für alle, die nicht so ersichtlich sind, weil sie beispielsweise im Keller unten sind, sind Kundenstopper sehr wichtig.»
«Sie sind über das Jahr hinaus gesehen essenziell», meint Zingg. «Ich verkaufe durch meinen mobilen Hosenständer 500 Hosen mehr, das ist sehr wichtig für mich.»
Er habe Verständnis dafür, dass die Barrierefreiheit gewährleistet sein müsse. «Wir sind die ersten, die deshalb sehr rücksichtsvoll sind. Und sind natürlich auch bereit, bei Blockaden den Weg freizumachen.»
Aber: «Solange es genug Platz hat und alle genug Raum haben, wäre ich froh, wenn man eine Lösung finden könnte.»
Ladenbesitzer «werden einfach nicht gehört»
Auch moniert der Ladenbesitzer, es gebe eine Ungleichbehandlung zwischen Gastro-Betrieben und Läden.
Denn die Beizen könnten ihre Waren auch draussen auf dem Trottoir präsentieren, respektive ihre Tische platzieren. Das sei ein Frust und ein Widerspruch zur Praxis, die für die Läden gelte.

Für seinen Wut-Post habe er sich entschieden, um auf das Thema aufmerksam zu machen, erklärt Zingg.
Denn: «Es gibt viele Diskussionen über die neue Regelung, sowohl mit Kundschaft als auch mit anderen Ladenbesitzenden. Und diese werden einfach nicht gehört.»
Video bringt Kundschaft – und möglicherweise eine Lösung?
Das Ziel, das Thema durch sein Video sichtbar zu machen, hat Zingg erreicht.
Zum einen hat sein Post ihm neue Kundschaft beschert. Zum anderen ist es dadurch zu einem Austausch mit Marc Heeb, dem Leiter des Berner Polizeiinspektorats, gekommen.
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Zingg berichtet, es habe ein angenehmer Austausch stattgefunden. Er hoffe nun darauf, dass man eine Lösung finden könne.
Gewerbepolizei versucht, nach Lösungen zu suchen
Das Gespräch bestätigt gegenüber Nau.ch auch Marc Heeb. Man sei bemüht, eine Lösung zu finden, denn: «Der Fall vom Geschäft ‹Kleiderschrank› ist speziell aufgrund der Lage und den örtlichen Gegebenheiten.»

Man werde diese Woche gemeinsam vor Ort sein. Und besprechen, wie es rund um die Kundenstopper wie den mobilen Hosenständer weitergehe.
Heeb erklärt auch: «Bei den meisten Betrieben wurden die Regeln problemlos umgesetzt. Bei den noch verbleibenden Fällen versucht die Gewerbepolizei, Lösungen zu suchen.»
«Hatten sehr viele Reklamationen»
Die Rückmeldungen auf die Kontrollen der Gewerbepolizei seien unterschiedlich ausgefallen. Von «ich habe erwartet, dass ihr kommt» bis zu «ich bin überrascht, dass wir Lösungen gefunden haben» sei alles dabei.
Doch, so Heeb: «Es gibt auch Geschäfte, die nicht zufrieden sind.»
Grund für die Regeländerung sei der jahrelange Wildwuchs rund um die Thematik. Denn: Geschäfte hätten immer mehr Auslagen und Ständer ohne Bewilligung aufgestellt.
«Wir hatten sehr viele Reklamationen von der Kundschaft aufgrund der Hindernisse.» Darum habe man ein Konzept erarbeitet, das auch die Anliegen der Geschäfte berücksichtige.
Darauf, dass die Anliegen der Geschäfte gehört werden, hofft jetzt auch «Kleiderschrank»-Inhaber Alain Zingg. Er erhofft sich von der Stadt, «dass man individuell Rücksicht nimmt und, dass man für jeden eine Lösung findet.»








