Robert Walser-Preise 2026 gehen an zwei literarische Debüts

Robert Walser Preis
Robert Walser Preis

Biel/Bienne,

Muri Darida und Jonas Sollberger erhalten die Robert Walser-Preise 2026. Die Auszeichnungen sind mit je 20'000 Franken dotiert und werden in Biel verliehen.

Muri Darida
Robert Walser-Preise 2026 für Muri Darida und Jonas Sollberger. - Dorottya Márton

2026 vergibt die Stiftung Robert Walser Biel/Bienne wiederum einen deutsch- und einen französischsprachigen Preis für ein literarisches Erstlingswerk in Prosa, berichtet die Präsidentin der Stiftung Robert Walser Biel/Bienne. Die Preissumme beträgt je 20'000 Franken.

Die Preise gehen an Muri Darida für King Cobra (dtv, 2026) und Jonas Sollberger für Viens Élie (Les Éditions de Minuit, 2026). Muri Darida, 1993 in Bayern geboren, lebt zwischen Budapest und Berlin. Jonas Sollberger, 1999 in Bern geboren, aufgewachsen und wohnhaft im Kanton Bern.

Die Verleihung der Preise findet am 29. Oktober 2026 um 18 Uhr im Filmpodium in Biel/Bienne statt.

Begründung der Jury für Muri Darida

In Muri Daridas Prosadebüt King Cobra begibt sich Lazi nach Ungarn. Ein Film über Schlangen soll gedreht werden. Die Reise führt ins Dorf Őzbarna, wo Grossvater András 1956 bei seiner Flucht nach Argentinien, die allerdings nur bis ins süddeutsche Eppingen führen sollte, sein Jagdgewehr verloren hatte.

Für erfahrene Gewalt in der Familie wird nun Rache geplant, das verwachsene Schweigen will mit Gegengewalt abgezogen werden, als wäre es eine hinderliche Haut. Eindringlich, körperlich und mit feinem Sprachwitz wird in diesem Roman von Familie, Missbrauch, Selbstermächtigung und – fast en passant – geschlechtlicher Transition erzählt.

Muri Darida findet dafür eine sensible Dramaturgie, die der Tiefe der präzise gezeichneten Figuren folgt. Die Jury ist beeindruckt von der dringlichen Wucht, die der Text trotz oder gerade wegen seiner spielerischen Erzähllust entfaltet.

Literarische Vielfalt überzeugt die Jury

Bedrückende Themen werden kombiniert mit Bildern und Strategien, die aus der Popkultur bekannt sind: ein Racheszenario wie aus einem Italo-Western, Songtitel als Kapitelüberschriften, eine Quest, die einem Computerspiel entstammen könnte oder einem Roadmovie. Dies alles geht zusammen, und das ist das Wunder dieses Romans. Für diese Entdeckung dankt die Jury.

Die deutschsprachige Jury bildeten Stefan Humbel (Bern, Jurypräsident), René Frauchiger (Basel), Lukas Gloor (Olten), Annina Niederberger (Zürich), Frederik Skorzinski (Basel), Ulf Stolterfoht (Berlin) und Suzanne Zahnd (Zürich).

Begründung der Jury für Jonas Sollberger

Während es Nacht wird im Wald, macht sich Élie auf die Suche nach Moïse, seinem Vogel. Dabei achtet er nicht auf seine Mutter und seine Schwester, die möchten, dass er nach Hause kommt, sondern geht immer tiefer in den Wald hinein und weigert sich, ohne Moïse zurückzukehren.

Getragen von einer klaren und kraftvollen Sprache, führt uns Viens Élie durch eine Welt, die an Fabeln erinnert, erzählt aus der Perspektive einer Figur, die gerade erst die Kindheit hinter sich lässt. Doch obwohl das Buch von Jonas Sollberger an eine Märchenwelt erinnert – die nächtliche Angst im Wald, die Begegnung mit Tieren, das Rätselhafte –, bleibt es vor allem die Geschichte einer Suche nach Identität.

Eine düstere Welt voller Lichtblicke

Der Text entführt uns mit seinen fliessenden Sätzen in eine geheimnisvolle Atmosphäre, in der die Ängste der Mutter und der Schwester aufblitzen, und bringt uns mitten in diesen Wald, der im Laufe der Erzählung immer düsterer wird. Doch in Élies Herzen, genau wie in Jonas Sollbergers Sprache, ist das Licht noch immer da.

Die französischsprachige Jury bildeten Muriel Zeender Berset (Belfaux, Jurypräsidentin), Thierry Hesse (Orgnac-l'Aven), Valérie Meylan (Biel/Bienne), Arno Renken (Lausanne) und Henri-Michel Yéré (Basel).

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