Marzili-Rauswurf: SP queer hat Verständnis für verunsicherte Frauen

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Dass eine trans Frau aus dem Frauenabteil des Marzili per Polizei abgeführt wurde, liege in der Verantwortung der Stadt, sagt die SP-queer-Co-Präsidentin.

Marzili Frauenabteil
Nebst einem Ruhebereich für Frauen gibt es im Marzili auch das «Paradiesli», wo FKK möglich ist. - Screenshot sportamt-bern.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Dass eine trans Frau aus dem «Paradiesli» geworfen wurde, war ein Fehler, räumt die Stadt Bern ein.
  • Ein zusätzliches Finta-Abteil im Marzili würde die SP queer begrüssen.
  • Sie sieht den Grund der Eskalation bei transfeindlichen Narrativen und schlechter Kommunikation.

Das war falsch: Die Stadt Bern muss sich bei einer trans Frau entschuldigen, nachdem deren Besuch im FKK-Bereich des Marzili in einer Polizeiaktion endete.

Weil sich mehrere Besucherinnen durch die trans Frau gestört fühlten, wollte das Personal sie wegweisen. Doch, wie die Stadtbehörden bestätigen, dürfen alle Frauen ins sogenannte «Paradiesli» – ausschlaggebend ist das Geschlecht im amtlichen Ausweis.

«Fürchterlicher Vorfall»

Weil sich die trans Frau nicht ausweisen und auch nicht wegschicken lassen wollte, wurde sie von der Polizei abgeführt. Allerdings soll sie dabei «mehrere grosse Hämatome» erlitten haben. Eine Polizistin wurde von einer unbekannten Person tätlich angegriffen und verletzt.

Aus diesem «fürchterlichen Vorfall» im Marzili müssten nun alle städtischen Badis lernen, fordert Jasmin Bärtschi, Co-Präsidentin der SP queer Schweiz. Nicht anlasten will sie die Eskalation aber den Frauen, die sich verunsichert fühlten, betont sie im Interview mit dem BärnerBär.

Jasmin Bärtschi SP queer
Jasmin Bärtschi ist Co-Präsidentin der SP queer Schweiz - sp-ps.ch

BärnerBär: Kam das für Sie unerwartet, dass das so eskaliert ist? Im Grundsatz loben Sie die Stadt Bern ja als «medial immer wieder queerfreundlich».

Jasmin Bärtschi: Ja, es ist auch ungewöhnlich. Denn es ist nirgends kommuniziert, dass trans Frauen nicht in die Badi dürften. Insofern ist unverständlich, dass es solche Konsequenzen gibt.

BärnerBär: Wo sehen Sie konkret die Missstände?

Bärtschi: Für mich ist klar: Die Mitarbeitenden einer städtischen Badi hätten von Anfang an das Gespräch suchen und aufklären müssen, dass diese Person hier sein darf. Anstatt die Polizei zu rufen.

Marzili Bern Bad
Eine trans Frau wirft der Polizei einen unverhältnismässigen Einsatz im Marzili vor. - BärnerBär

BärnerBär: Gemeinderätin Ursina Anderegg will ein Finta-Abteil im Marzili prüfen. Wäre das hilfreich oder könnte man das als Eingeständnis verstehen, dass man gegen die Vorurteile in der Gesellschaft nicht ankommt?

Bärtschi: Ich fände das gut, weil der Begriff präziser ist. Ich höre das von trans Frauen in meinem Umfeld: Sie sind bei Frauen klar mitgemeint, aber ob es dann wirklich so gelebt wird in der Badi, ist nicht gesichert.

Man muss die Begriffe aber bewusst verwenden. Bei Finta gehören auch trans Männer dazu, dass muss ebenfalls klar kommuniziert werden.

Gehst du gerne ins Marzili?

BärnerBär: Haben Sie Verständnis für Frauen, die sich im FKK-Bereich durch eine trans Frau verunsichert fühlen?

Bärtschi: Ich kann grundsätzlich Verständnis aufbringen. Vor allem weil seit Jahren von rechten Parteien transfeindliche Narrative gepredigt werden, die zu einer gewissen Abwehrhaltung führen.

Auch wenn ich wenig nachvollziehen kann, dass man in einen FKK-Bereich geht, wenn man Mühe damit hat, Genitalien zu sehen.

BärnerBär: Wie sollten die betreffenden Frauen besser reagieren?

Bärtschi: Ich weiss gar nicht so sehr, ob die Verantwortung bei den Frauen an sich liegt. Sondern bei der Stadt Bern, beim Badi-Personal: Dass bekannt ist, für wen die Badi ist – und für wen nicht.

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