Wegweisung im «Paradiesli» wird zum Thema im Berner Stadtrat

Bern,
Die Wegweisung einer trans Frau aus dem «Paradiesli» beschäftigt nun auch das Berner Stadtparlament. Während links-grün einen queeren Schutzraum fordert, stellt eine freisinnige Stadträtin die geltende Zutrittsregelung in Frage.

Ein Postulat von Chantal Perriard (FDP) verlangt vom Gemeinderat zu prüfen, wie klare Regeln für die «Paradiesli»-Nutzerinnen und das Personal geschaffen werden können. Ziel sei es, den Schutz- und Intimcharakter des Frauen-FKK-Bereichs zu gewährleisten. Die heutige Regelung, wonach sich eine Person als Frau identifizieren muss, widerspreche diesem Charakter, da auch trans Frauen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen Zutritt hätten.
Perriard führte laut ihrem Vorstoss zwei Tage nach dem Vorfall eine persönliche, nicht repräsentative Befragung unter 50 Nutzerinnen durch. Demnach fühlten sich 82 Prozent durch eine nackte Person mit männlichen Geschlechtsmerkmalen in ihrer Intimsphäre beeinträchtigt. «Ihr klar geäussertes Schutzbedürfnis ist ernst zu nehmen», so Perriard.
Zwei Vorstösse aus dem links-grünen Lager stellen hingegen den Schutz von LGBTQIA-Personen in den Vordergrund. Eine Motion aus den Reihen von SP/Juso und GB/JA fordert die Schaffung neuer Schutzräume für nicht-binäre, intergeschlechtliche, agender und weitere queere Personen in den städtischen Freibädern.
Dies sei als separates Angebot und ausdrücklich nicht als Ersatz oder Erweiterung bestehender Frauenbereiche zu verstehen, betonten die Motionärinnen und Motionäre. Es soll das Schutzbedürfnis der Betroffenen anerkennen, ohne verschiedene schutzbedürftige Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Die zweite Motion verlangt unter anderem verbindliche und diskriminierungsfreie Zugangsregeln für trans Personen in allen städtischen Sportanlagen sowie eine praxisnahe Schulung des Personals für Konfliktsituationen. Neben SP/Juso und GB/JA ist auch die GFL unter den Erstunterzeichnenden vertreten.
Eine Richtlinie allein genüge nicht, wenn das Personal nicht wisse, wie es diese in einer Drucksituation umsetzen solle, heisst es in der Begründung. Die Unterzeichnenden verwiesen auf die von der Stadt vorgegebene Regelung, wonach alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, Zugang zum «Paradiesli» haben – wobei im Härtefall das amtlich eingetragene Geschlecht gilt.
Am vergangenen Sonntag führte die Polizei eine trans Frau aus dem freiwilligen FKK-Bereich für Frauen im Marzili-Freibad ab, nachdem sie sich der Personenkontrolle widersetzt hatte. Manche Besucherinnen des «Paradiesli» hätten sich durch ihre Anwesenheit gestört gefühlt, andere hätten sich mit ihr solidarisiert.
Die Stadt Bern entschuldigte sich daraufhin bei der Betroffenen. Sie habe die Zutrittsregelung erfüllt. In einer aufgeladenen Atmosphäre habe der Betrieb einen falschen Entscheid getroffen.






