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Marieke Kruit, SP-Gemeinderätin seit 2021

«Wir diskutieren viel im Gemeinderat, auch kontrovers»

Marieke Kruit: «Der Veloverkehr hat sich verändert. Wir haben heute verschiedene Velokategorien» Foto: Daniel Zaugg

Marieke Kruit steht der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) vor, wo sie sich unter anderem für klimaangepasste Strassen und Plätze einsetzt. Aber auch sichere Wege für alle Verkehrsteilnehmer:innen liegen ihr besonders am Herzen. Für sich bevorzugt sie Mobility, wenn sie ein Auto benötigt.

Frau Kruit, wie können Sie Ihre Kenntnisse als Psychologin und Psychotherapeutin in Ihrer heutigen Tätigkeit als Gemeinderätin anwenden?
Sie helfen mir bei der Gesprächsführung und insbesondere in der Politik, um beispielsweise Mehrheiten zu finden oder verhärtete Fronten aufzuweichen. Und ich weiss, wie wichtig es ist, zuzuhören.

2021 stimmte die Bevölkerung der Einführung eines Farbsack-Trennsystems zu. Wegen Nutzungskonflikten wurde das Projekt verschoben. Seither ist es still. Wie ist der Stand zurzeit?
Bei der Einführungsplanung sind wir auf grundlegende Fragen und Probleme gestossen und mussten das Projekt darum aufschieben. Wir arbeiten zurzeit daran, wie grundlegend wir die Vorlage umbauen müssen. Für unsere Belader:innen ist das tägliche Schleppen der Kehrichtsäcke eine grosse gesundheitliche Belastung. Eine Containerpflicht, die ja ein Kernelement der Abstimmungsvorlage war, würde unsere Mitarbeitenden enorm entlasten. Auch für die zunehmend überfüllten Sammelstellen brauchen wir Lösungen.

Wurde das Projekt vorher zu ungenau geprüft?
Im Nachhinein ist man immer klüger. Aber ja, diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen. Fakt ist aber auch, dass die Ansprüche an den öffentlichen Raum mit Klimaanpassungen, Aufenthaltsqualität usw. in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen sind. Damit hat sich auch die Ausgangslage für den Farbsack verändert. Aber es gab auch verwaltungsintern Fragen rechtlicher Art, die nun abgestimmt werden müssen, damit das neue Ghüder-System dann wirklich «verhet», wenn wir es einführen.

Mit dem Gewerbe wurde eine Sauberkeits-Charta mit 30 Massnahmen vereinbart, um zu erreichen, dass der Abfall im öffentlichen Raum zurückgeht. Greift die Charta?
Es braucht schon noch einen grossen Effort des Gewerbes, die Charta ist in der Umsetzung noch nicht dort, wo sie sein sollte. Wir sind aber in einem guten Austausch mit dem Gewerbe.

Kommt sonst der Sauberkeitsrappen wieder aufs Tapet?
Das läge dann in der Entscheidungskompetenz des Stadtparlaments. Aber es liegt mir viel daran, dass die Massnahmen auf freiwilliger Basis umgesetzt werden können. Ich hoffe darum, dass das Gewerbe den notwendigen Effort leistet.

Welche Massnahmen gegen den Hitzestau sind in der Stadt geplant? Der relativ neue Eigerplatz kann wohl nicht gerade als Paradebeispiel dafür genannt werden …
Klimaanpassungen sind mir ein sehr grosses Anliegen. In all unseren Projekten berücksichtigen wir das Klima nun von Beginn an. Das erfordert eine sehr enge Zusammenarbeit, verwaltungsintern aber auch mit der Wissenschaft oder privaten Akteuren. Wir wollen klimaangepasste Plätze und Strassen, auf denen wir uns auch in 30 Jahren noch gerne aufhalten. Viele Projekte haben jedoch eine sehr lange Planungszeit, auch der von Ihnen erwähnte Eigerplatz. Da war das Klimaproblem noch nicht so präsent wie heute. Die Hitzethematik betrifft auch andere Städte und wir tauschen uns über neue Erkenntnisse regelmässig aus. Entsiegelung allein reicht beispielsweise nicht, im Idealfall wird das Wasser gespeichert und verdunstet wieder vor Ort. Da haben wir in den Städten noch einen grossen Lernprozess vor uns. Die bevorstehende, klimaangepasste Sanierung der Optingenstrasse ist zwar ein kleineres Projekt, das aber rasch umsetzbar ist. Aus diesen Projekten lernen wir für die grösseren.

Würden Sie die Gleichung Bern = Velostadt unterschreiben?
Ja, Bern ist eine Velostadt! Im Städtevergleich schneiden wir stets sehr gut ab. Jeder fünfte Weg wird in Bern mit dem Velo zurückgelegt. Aber es ist sehr wichtig, dass wir die nötige Veloinfrastruktur zur Verfügung stellen. Die Menschen steigen dann aufs Velo um, wenn sie sich auf den Velowegen sicher fühlen. Aber auch der Veloverkehr hat sich verändert. Wir haben heute verschiedene Velokategorien: Cargo Bikes, E-Bikes usw. Diese Tatsachen verlangen nach Lösungen bei unserer Infrastruktur. Wir haben schon viel erreicht, aber wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Die sicherste – und angestrebte – Lösung sind getrennte Fahrbahnen für Fussgänger:innen, Velos und Autos.

Im Gegensatz zu Ihrer Partei befürworten Sie den Ausbau des Knotens Wankdorf. Warum?
Ich halte fest, dass es sich dabei um ein Bundesprojekt handelt. Ich habe Verständnis für die Skepsis gegenüber dem Ausbau von Autobahnen. Immer mehr Beton und immer mehr Spuren sind nicht mehr zeitgemäss und zielführend. Die Umgestaltung des Wankdorfknotens hat hingegen einen anderen Charakter. Dort muss die Sicherheit des Fuss- und Veloverkehrs unbedingt verbessert werden. Auch müssen wir verhindern, dass die Autofahrenden bei Stau auf der Autobahn in die Stadtquartiere ausweichen. Der Gemeinderat hat gegen das Projekt Einsprache erhoben und Verbesserungsmassnahmen gefordert. Da gibt es eine Planungsvereinbarung und wir sind im Austausch mit dem Bundesamt für Strassen ASTRA.

Der Autoverkehr stagniert oder nimmt sogar leicht ab. Hat es aus Ihrer Sicht zu viele Autos in der Stadt?
Der Verkehr hört nicht vor der Stadtgrenze auf, auch die Verkehrspolitik nicht. Es ist unser Anliegen, mit der Region, mit dem Kanton und mit dem Bund gute stadtverträgliche und nachhaltige Lösungen auszuarbeiten. Ich denke aber auch an die Gewerbetreibenden, welche aufs Auto angewiesen sind; sie sollen nicht stundenlang im Stau stecken müssen.

Fahren Sie selber auch Auto?
Ja, aber ich habe kein eigenes Auto. Wenn ich sperrige Gegenstände transportieren muss, benütze ich ein Mobility-Fahrzeug. Sonst bin ich häufig mit dem E-Bike oder dem ÖV unterwegs.

Zu den bevorstehenden Wahlen im Herbst gibt es ein Bündnis zwischen EVP, GLP, Mitte, SVP und FDP, um einen zweiten bürgerlichen Sitz zu ergattern. Was halten Sie davon?
Rot-Grün-Mitte ist grundsätzlich gut aufgestellt, wir sind ein inhaltliches Erfolgsbündnis. Die hohe Lebensqualität in unserer Stadt hat auch mit der Politik von RGM zu tun; wir besitzen einen guten Leistungsausweis. Wir werden dafür kämpfen, dass wir weiterhin angemessen im Gemeinderat vertreten sind.

Damit würde die über 30-jährige Dominanz von RGM etwas gebrochen. Wird denn heute im Gemeinderat noch echt diskutiert? Die Meinungen sind doch schon vorher gemacht!
Wir diskutieren sehr viel im Gemeinderat, auch kontrovers. Das scheint mir wichtig – Reibung erzeugt ja auch Energie. Unser Bündnis ist auch inhaltlich sehr breit und es ist bei weitem nicht so, dass wir immer gleicher Meinung sind. Die Hauptaufgabe im Gemeinderat ist es doch, mit guten Lösungen die Stadt vorwärtszubringen. Peter Widmer

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