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Autsch Alec, renitente Grüne und eine heimliche Siegerin

Bittere Pille für Alec von Graffenried: Ostermundigen hat die Fusion abgelehnt. Foto: KEYSTONE / ANTHONY ANEX

Bern hat gewählt – und abgestimmt. Was bleibt? Der Bärner­Bär fasst die wichtigsten politischen Erkenntnisse des letzten Sonntags zusammen.

Ein «Chlapf a Gring» für den Stapi

«Die Revolution ist verschoben», sagt Alec von Graffenried an der Medienkonferenz am Sonntagnachmittag. Er hätte besser gesagt: Sie wird nie stattfinden. Jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Kurz zuvor wird bekannt, dass 57 Prozent der Ostermundigerinnen und Ostermundiger die Fusion ihrer Gemeinde mit Bern ablehnen. Für den Berner Stadtpräsidenten von Graffenried ist es, man kann es nicht anders sagen, ein «Chlapf a Gring». Denn es war das wichtigste Projekt in seiner zweiten Amtszeit. Und es ist krachend gescheitert. Schon viel früher erteilten zig umliegende Gemeinden den Flirtversuchen der Hauptstadt einen Korb. Alec von Graffenried wie auch die gesamte rot-grüne Berner Stadtregierung sollten dringend über die Bücher. Mindestens.

Zumindest ein(e) Wasserfallen kann jubeln

Dass Flavia Wasserfallen (SP) im ersten Wahlgang ein gutes Ständeratsergebnis einfahren könnte, durfte angenommen werden. Dass die Stadtbernerin aber sogar den amtierenden Ständerat Werner Salzmann (SVP) überholt, damit hatte die Nationalrätin wohl selbst nicht gerechnet. Es ist der Lohn für eine weitestgehend gelungene Wahlkampagne. Am 19. November kommt es nun zum zweiten Wahlgang – oder ziehen sich die anderen Kandidierenden freiwillig zurück? Falls ein Urnengang erfolgt, braucht es keine prophetischen Fähigkeiten, um vorauszusagen: Jubeln dürften am Schluss Werner Salzmann und Flavia Wasserfallen. Für Bernhard Pulver (Grüne) ist das Rennen längst gelaufen.

In Bern tickt die GLP komplett anders

Melanie Mettler, Kathrin Bertschy und Jürg Grossen dürfen aufatmen: Sie können ihre Berner Nationalratssitze verteidigen. Obwohl ihre Partei, die Grünliberalen, auf nationaler Ebene 0,6 Prozent Wähleranteile verliert. Im Kanton Bern hingegen legen sie, wie schon 2015 und 2019, zu. Immerhin um 0,8 Prozent – und damit verhält sich die Berner GLP gegenteilig zur Entwicklung auf nationaler Ebene. Die Vermutung liegt nahe: Die Partei hat sich ihre Stimmen unter anderem bei der Mitte geholt.

Die Grünen: Naiv oder einfach uneinsichtig?

Ganz klar: Die Grünen sind die grossen Verlierer dieses Wahlsonntags. Um satte 3,8 Prozent bricht die Partei national ein. Doch statt zu eruieren, was im Wahlkampf ihrer Partei schiefgelaufen ist, zeigt sich Grünen-Fraktionschefin und BärnerBär-Kolumnistin Aline Trede uneinsichtig. Auf die Frage einer SRF-Reporterin, welche Fehler die Partei begangen habe, meint Trede kurz und knapp: «Nichts.» Stattdessen schiesst sie gleich zurück und beschuldigt die SVP, mit den «Ängsten der Bevölkerung» gespielt zu haben. Etwas später kündigt die Bernerin gegenüber der Nachrichtenagentur sda an, dass die Grünen wahrscheinlich zur Bundesratswahl im Dezember antreten wollen. Ist das nur noch blinder Eifer oder schon wieder mutig?

FDP: Das Rätselraten hat sich erübrigt

Bei den Berner Freisinnigen wurde lange spekuliert: Wer zieht neben Christian Wasserfallen in den Nationalrat ein und erbt den Sitz der abtretenden Christa Markwalder? Die Antwort: niemand. Die FDP ist künftig nur noch mit einer Person in der grossen Parlamentskammer vertreten – und verfügt nun über gleich viele Sitze wie beispielsweise die Kleinstparteien EVP oder EDU. Der Niedergang des Berner Freisinns dauert nun schon über zehn Jahre an. Ob er jetzt seinen Tiefpunkt erreicht hat? Niederschmetternd ist ausserdem das Ergebnis auf städtischer Ebene: Hier verliert die Partei nochmals 1,3 Prozent und kommt noch auf einen Wähleranteil von 6,3 Prozent. Der neue linksliberale Kurs scheint sich kaum auszuzahlen. Vorsichtig ausgedrückt.

Nause national

Wie wäre es mit Berns Polizeidirektor politisch weitergegangen, hätte er am Sonntag nicht triumphiert? Diese Frage hat sich Reto Nause sicherlich das eine oder andere Mal selbst gestellt. Denn: Ende nächstes Jahr muss er als Berner Gemeinderat zurücktreten. Amtszeitbeschränkung! Doch das Schicksal meint es am Sonntag gut mit dem 52-Jährigen: Zusammen mit Lorenz Hess vertritt er Die Mitte in Zukunft im Nationalrat. Das Nachsehen haben dafür, trotz höchst aufwendigen Wahlkampfs, Michelle Renaud sowie Heinz Siegenthaler. Für Letzteren ist es bereits die dritte Nichtwahl.

Promis sind noch lange keine Politiker

Zu den Wahlen im Kanton Bern traten auch einige bekannte Namen an. Einer der prominentesten Figuren war sicherlich Ueli Schmezer, der sich für die SP aufstellen liess. Der Ex-«Kassensturz»-Moderator belegt zwar hinter Ex-«Tagesschau»-Mann Matthias Aebischer den ersten Ersatzplatz – sollte Flavia Wasserfallen Ständerätin werden, rückt allerdings eine Frau nach. Auch Nadja Günthör, Ehefrau von Werner Günthör, fand auf der SVP-Liste wenig Gehör und landete abgeschlagen auf Rang 20.

Die grosse Wahlsiegerin im Kanton Bern ist nicht die SVP

National überflügelt die SVP alle, natürlich. Um satte 3 Prozent legt sie schweizweit zu. Im Kanton Bern gehört die Volkspartei ebenfalls zu den Gewinnerinnen, hier darf sie sich über immerhin 0,9 Prozent mehr freuen. Prozentmässig am stärksten gewonnen hat hier allerdings die SP mit stolzen 3,9 Prozent. Ebenfalls nicht zu verachten: Die Kleinpartei EDU schafft ein Plus von 1,5 Prozent. Das reicht im Hauptstadtkanton zwar weiterhin nur für einen Sitz – trotzdem dürfte der Jubel bei der rechts-religiösen Partei am Sonntag gross gewesen sei. Der Dank für das tolle Ergebnis galt höchstwahrscheinlich auch ihm ganz oben.

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