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André Ruch am Schnittplatz für die Jubiläumssendung zum 50. Geburtstag des «Kassensturz» Foto: Reinhold Hönle
Der Berner schwimmt auch im Winter gerne in der Aare

«Ich bin ein Aarekind»

André Ruch (45), der heute seinen ersten «Kassensturz» moderiert, freut sich darauf, David gegen Goliath zu spielen.

Welches waren Ihre letzten Kreditkarten-Einkäufe – mit und ohne PIN?
Heute Morgen kaufte ich mir beim Pendeln von Bern nach Zürich am Bahnhofskiosk einen Kaffee und kürzlich bezahlte ich ein Nachtessen auf dem Niederhorn, wo wir mit Freunden Schlitten fuhren. Es ist lustig, dass Sie mir diese Frage stellen, da mich die ehemaligen «Kassensturz»-Moderatoren Urs P. Gasche und Hansjörg Utz bei der Vorbereitung der Jubiläumssendung schon davor «gewarnt» hatten, dass man in Zukunft des Öfteren in meinen Einkaufskorb spähen wird! (Lacht)

Ist das für Sie ein Problem?
Nein. Der Coffee-to-go ist sicher nicht das nachhaltigste Produkt, aber ich behaupte auch nicht, perfekt zu sein. Grundsätzlich würde ich mein Einkaufsverhalten als nachhaltig einstufen, da ich zum Beispiel seit Jahrzehnten den allergrössten Teil biologisches Essen einkaufe.

Wie verhält es sich bei der Bekleidung?
Ich trage meine Kleider meistens so lange, bis sie mir quasi vom Körper fallen. Das können zehn oder zwanzig Jahre sein. Manche Sachen trage ich zuerst bei der Arbeit, dann in der Freizeit und am Ende für Gartenarbeiten oder beim Heimwerken.

Gibt es Werbung oder Aktionen, wo Sie manchmal schwach werden?
Ich sammle weder Punkte noch Rabattmarken, ich habe derzeit nur ein einziges Stempelkärtchen – von einem Berner Glacé-Stand, an dem meine Töchter gerne Eis essen.

Was macht den «Kassensturz» in Ihren Augen aus?
Für mich ist er eine der grossen Marken in der Schweizer Medienlandschaft. Er steht für eine freche, mit Humor unterlegte Herangehensweise an die Themen und die angriffige, aber faire Befragung der Menschen, die sich ins Studio wagen, obwohl sie mit harten Vorwürfen rechnen müssen. Ich empfinde es als Riesenehre, dass ich diese Sendung moderieren darf.

Wie stark identifizieren Sie sich mit der Rolle des Anwalts der Konsumenten?
Als Journalist hat man von Grund auf diese Robin-Hood-Attitüde. Man will sich einsetzen, dass diejenigen, die weniger haben oder schlechter behandelt werden, zu ihrem Recht kommen. Ich habe einen starken inneren Antrieb, mich für Gerechtigkeit einzusetzen, und freue mich darauf, im Sinne des Konsumentenschutzes David gegen Goliath zu spielen.

Vor nicht allzu langer Zeit war ein anderer Berner «Mister Kassensturz». Wie gut kennen Sie Ueli Schmezer?
Wir sind uns erst am Rande eines Patent Ochsner Konzerts diesen Sommer über den Weg gelaufen und verabredeten uns auf einen Kaffee. Es war spannend und ich bin dankbar, dass ich von Uelis Erfahrungen profitieren darf – schliesslich hat er 25 Jahre lang diesen Job gemacht. Er gab mir gute Tipps mit auf den Weg.

Welcher war der Wertvollste?
Dass das Wichtigste für einen «Kassensturz»-Moderator das Studiogespräch ist. Mit ihm prägt man die Sendung. Weil sie nur vier bis sechs Minuten kurz sind, sollte man keinen riesigen Fragenkatalog vorbereiten und abarbeiten, sondern vor allem auf die erste Antwort des Gastes eingehen und dann entlang der eigenen Hauptstossrichtung kritisch hinterfragen.

Sie werden künftig öfter als ein Bundeshausredaktor von Bern nach Zürich reisen müssen. Ein Wermutstropfen?
Nein, das Pendeln ist mir seit fünfzehn Jahren vertraut. Ausserdem schnappt man im Zug das eine oder andere auf, welches für den «Kassensturz» interessant sein könnte. Zudem ist Zürich eine schöne Stadt, in der ich zehn Jahre gerne gelebt habe, bevor ich – auch wegen dem Bundeshaus-Job – zurück nach Bern gezogen bin, das mir nun wieder extrem gefällt.

Wo speziell?
Das Kultur- und Nachtleben, der Märit, und am meisten die Aare. Ich bin ein Aarekind. In Münsingen aufgewachsen, verbrachte ich viel Zeit am Fluss und erlebte dort die besten Momente meiner Jugend. Im Sommer schwimme ich heute noch gerne morgens vor der Arbeit, Mittags oder nach Feierabend und jetzt im Winter im sechs Grad kalten Wasser. Die Aare ist mein heiliger Fluss.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie Ihrer «Kassensturz»-Premiere entgegen?
Mit einer gesunden Portion Nervosität, aber vor allem freue ich mich, dass es endlich losgeht! (Lacht)

Sie bilden das «Kassensturz»-Moderatoren-Duo zusammen mit Bettina Ramseier, die wie Sie aus dem Politjournalismus kommt. Haben Sie zeitweilig der gleichen Redaktion gearbeitet?
Ja, wir waren drei, vier Jahre für «10 vor 10» tätig. Da wir uns bestens kennen und verstehen, freuen wir uns beide sehr, dass wir nun wieder gemeinsame Sache machen können.

PERSÖNLICH

André Ruch wurde 1979 in Bern geboren, ist Vater von zwei Kindern und lebt in einer Beziehung. Er begann mit 16 Jahren für das Jugendmagazin der «Berner Zeitung» zu schreiben, deren Redaktor er später wurde. Seit 2008 arbeitet er fürs Schweizer Fernsehen bei «Puls», «10 vor 10», als SRF-Bern-Korrespondent, Bundeshausredaktor, «SRF Reporter» und «Kassensturz». Ruch moderiert am Dienstag, 16. Januar, um 21.05 Uhr auf SRF 1 zum ersten Mal den «Kassensturz».

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