Eine beispielhafte Initiative sinnvoller Nachbarschaftshilfe

Der Bärnerbär ist durch ein Inserat in der BümplizWoche auf eine besondere Aktion aufmerksam geworden: «Wir helfen Mitmenschen», stand da, und: «Brauchen Sie Hilfe im Haushalt? Melden Sie sich!» Was dahintersteckt? Wir fragten bei den jungen Initianten nach.
Treffpunkt: ein grosses Mehrfamilienhaus mit rund fünfzig Wohnungen in Bern-West. David Stalder, Lara Hiltbrunner und David Blatter sind alle sind bei Hope aktiv, einem sozial-diakonischen evangelischen Verein. Sie leben mit ihren Partnern oder Familien in einer von insgesamt etwa zehn Wohnungen, welche alle von dem Verein Nahestehenden bewohnt werden. So ergibt sich eine Art Wohngemeinschaft – man steht in freundschaftlichem Austausch, hat in der Freizeit regelmässige gemeinsame Kontakte und Anlässe wie zusammen essen, Gebetsstunden und Gesprächsrunden. Hope, gegründet 2002, setzt sich für ein gemeinschaftliches Leben ein, fördert Ausländer bei der Integration und unterstützt Auslandprojekte (siehe Box). In diesem Umfeld entstand 2011 die Idee, sich mit einer intensiven Benevol-Aktion in der Nachbarschaftshilfe einzubringen. Mitmenschen mit Arbeiten zu unterstützen, die diese nicht mehr selbst verrichten können. Die Aktion Gratishilfe fand im August 2020 zum sechsten Mal statt und fand, sicherlich wegen Corona, bei älteren Menschen ein besonders grosses Echo. «Es kann aber auch sein», meint David Blatter, «dass sich viele Senioren wegen Corona nicht meldeten. Schwer zu sagen.»

Alles, was sonst zu kurz kommt
Das Echo aufs Inserat in der BümplizWoche ist beachtlich. Ein 20-köpfges Team leistete Einsätze in gut 40 Haushalten. Die Liste der an vier intensiven Tagen erbrachten Dienstleistungen ist lang – häufg zeit- und kraftaufwändige Tätigkeiten, die von der externen Pfege und Betreuung nicht erbracht werden können, oder welche sich viele nicht leisten können. So wurden Fenster geputzt, Einkäufe getätigt, Keller und Estriche aufgeräumt sowie Sperrgut entsorgt, Wohnungen gereinigt, defekte Haushaltsgeräte auf Vordermann gebracht, es wurde gewaschen und gebügelt, in Gärten gearbeitet, Fahrdienste geleistet und sogar Bilder aufgehängt … deren Beispiele gibt es viele. «Mein Antrieb sind echte Begegnungen», antwortet Lara Hiltbrunner auf die Frage nach ihrer Motivation. Die 23-jährige, sie ist in Ausbildung zur Pfegefachfrau, schätzt die guten Gespräche bei den Kontakten. «Durch diese Freiwilligenarbeit erleben wir Gemeinschaft neu, statt füchtiger Oberfächlichkeit entstehen Nähe und Vertrauen.» David Stalder, 37, ergänzt: «Ich glaube, das Leben ist ein grosses Geschenk von Gott und denke, die Idee ist auch, etwas davon weiterzugeben. Das mache ich wirklich gerne.» Er ist ebenfalls berufich im Gesundheitswesen tätig, als Berater bei Operationen mit Einsatz von Wirbelsäulen-Implantaten. Ähnlich erklärt David Blatter sein Interesse: «Wir setzen das Evangelium um. Mit diesen Begegnungen können wir zum Beispiel die Einsamkeit, in welcher viele alleinlebende ältere Menschen leben, überwinden. Das beginnt bereits damit, dass sich die Betroffenen überhaupt melden», meint der 33-Jährige, im Alltag Software- und Webentwickler.

Das Sofa, auf dem niemand sitzen wollte
«Eine ältere Frau bat uns, ihr Bett vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer zum Fernseher zu zügeln, dorthin, wo bereits ein schönes, neues Sofa stand. Das Sofa sollten wir in die Broki bringen. Die Frau hatte es vor einem Jahr für Besuche gekauft … aber es kamen keine», schildert David Stalder ein beklemmendes Erlebnis. Er habe aber auch amüsante Szenen erlebt, erzählt David Blatter. Als in einem kleinen Haushalt Sperrgut zu entsorgen war, bekamen andere Leute in der Nachbarschaft Wind davon und brachten ihr Sperrgut gleich en masse vors Haus. Mit dem Resultat, dass die Hope-Leute statt bloss eine gleich fünf Fuhren durchführen mussten. Doch auch das ist ein Zeichen einer erfolgreichen Initiative. Lahor Jakrlin

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