Schnellzugriff

Erika Burkhalter in der PostFinance Arena. Foto: Pierre Benoit
Erika Burkhalter, Präsidentin der SCB Frauen

«Die Leidenschaft und Spielfreude beeindrucken mich»

Präsidentinnen in Vereinen, die einen Mannschaftssport ausüben, sind nach wie vor eine Seltenheit. Yasmin Hostettler präsidiert seit vielen Jahren den Berner Zweitligisten FC Länggasse, die frühere Nationalrätin Ursula Haller steht den Handball-Frauen des NLA-­Vertreters Rotweiss Thun vor und jetzt haben auch die SCB Frauen eine Frau an der Spitze des Vereins: Erika Burkhalter.

An der letzten Hauptversammlung im November wurde die vorerst als Finanzchefin vorgesehene Erika Burkhalter als Nachfolgerin von Peter Brand zur Präsidentin gewählt. «Bereits im vergangenen Frühling wurde ich von SCB-COO Rolf Bachmann angesprochen, ob ich mir ein Amt als Finanzchefin der Frauen vorstellen könnte», sagt Erika Burkhalter. «Nach kurzer Bedenkzeit sagte ich zu, und nachdem einige bisherige Vorstandsmitglieder den Rücktritt erklärt hatten, wurde ich von CEO Marc Lüthi und dem neuen COO, Pascal Signer, gefragt, ob ich das Präsidium übernehmen würde. Und so bin ich nun seit November in meinem neuen Amt, das mir sehr viel Freude und Spass bereitet.»

Der Jubel auf der Stehrampe
Dass die Wahl der SCB-Führung auf Erika Burkhalter fiel, ist alles andere als Zufall. Seit frühester Jugend ist sie mit dem SCB verbunden, der Weg vom Fan zur Präsidentin war sozusagen vorgezeichnet. «Mein Götti nahm mich als Kind mit an die Heimspiele und ich jubelte jeweils, wenn Renzo Holzer oder Roland Dellsperger Tore erzielten. Später reiste ich auch mit dem Car an die Auswärtsspiele und fieberte mit den Mutzen.» Jahrelang schlug Erika Burkhalters Herz als SCB-Fan, jetzt neuerdings auch für die Frauen, und dies nicht nur als Fan, sondern eben auch als Präsidentin.«Für mich bringt das Amt viel Neues mit sich. Ich muss mich auch in die Verbandsstrukturen einarbeiten, den SCB an Liga-Versammlungen vertreten und mit den Spielerinnen und dem Staff Kontakt halten und selbstverständlich die Spiele verfolgen, zuhause immer und wenn es die Zeit erlaubt, auch auswärts.» Bedenkt man, dass Erika Burkhalter ebenso an den Partien der Männer stets zugegen ist, bewältigt sie ein happiges Programm, doch das stört sie keineswegs. Als Finanzchefin von SCB-Silbersponsor Böhlen AG ist sie seit dem Stadionumbau im Jahr 2009, in dem ihre Firma die Sanitärarbeiten ausführte, noch enger mit dem SCB verbunden. Ihr Mann Thomas sitzt heute im Executive Club und ist selbstverständlich immer dabei, ob bei den SCB-Männern oder den Frauen.

Von den Frauen begeistert
Eben hat das Team den Cup gewonnen, in der Meisterschaft führen die Frauen von Cheftrainer Thomas Zwahlen die Tabelle überlegen an, haben mit grossem Abstand am meisten Tore erzielt und am wenigsten Treffer erhalten und in der Skorerliste stehen mit Estelle Duvin und Maija Otamo zwei SCB-Stürmerinnen auf den Plätzen 1 und 2 und sind ihren Verfolgerinnen weit entrückt. Erika Burkhalter ist von den Auftritten ihrer Spielerinnen beeindruckt. «Die Leidenschaft und Spielfreude begeistert mich», so die Präsidentin, die den Frauen auch in technischer und taktischer Hinsicht ein glänzendes Zeugnis ausstellt. «Man darf nicht vergessen, dass mit Ausnahme der Ausländerinnen für sämtliche Spielerinnen das Eishockey ein Hobby ist. Alle gehen einem Beruf nach, studieren oder gehen zur Schule, ihr Aufwand mit dreimal wöchentlichem Training, den Spielen und den Reisen an die Auswärtspartien ist riesengross, zumal sie neben einer minimen Spesenentschädigung nicht entlöhnt werden.» Besteht die Gefahr, dass vom EV Zug, der in die höchste Spielklasse aufsteigen wird, Spielerinnen abgeworben werden, weil in der Innerschweiz wie bei den Männern auch bei den Frauen mit der grossen Kelle angerichtet wird? Erika Burkhalter ist zuversichtlich, dass der Kern beisammenbleibt. Sie wird in dieser Frage von ihrem Sportchef Köbi Kölliker unterstützt: «Alle Schlüsselspielerinnen haben ihre Verträge bereits verlängert, auch Duvin und Otamo bleiben.» Und Kölliker hat einen weiteren Trumpf im Ärmel: eine junge, sehr talentierte Österreicherin soll kurz vor einem Vertragsabschluss stehen.

Playoffs ab 2. März
Vorderhand ist dies Zukunftsmusik – zuerst wollen die Bernerinnen in dieser Saison das Double holen. Am 2. März beginnen mit einem Spiel in der PostFinance Arena die nach dem Modus «best of five» durchgeführten Halbfinals, in denen der SCB auf die Davos Ladies oder Neuchâtel Hockey Academy treffen wird. Bei einem Weiterkommen warten im Final die Gewinnerinnen des anderen Halbfinals ZSC Lions – Ambri-Piotta Girls auf die SCB Frauen. Das Double scheint in Griffnähe zu sein. Hoffentlich Beispiel und Ansporn für die Männer, die sich auf dem Sprung in die Playoffs befinden.

PERSÖNLICH

Erika Burkhalter, verheiratet mit Thomas Burkhalter, wurde am 31. Mai 1965 in Oberdiessbach geboren. Sie wuchs in Aefligen auf und besuchte die Schulen in Kirchberg. Beruflich ist sie als Finanzchefin und Geschäftsleitungsmitglied beim Sanitär-, Heizungs- und Solarunternehmen Böhlen AG tätig. Seit 30. November 2023 ist sie SCB-Präsidentin.

DIE SRF-FEHLLEISTUNG

Am ersten Februar-Wochenende gewannen die SCB Frauen ihren ersten Titel. Sie schlugen in Luzern im Cup-Halbfinal die Lugano Ladies und im Final nach Penaltyschiessen den EV Zug. Wer in der knapp fünfminütigen Berichterstattung im Sportpanorama allerdings erfahren wollte, dass tatsächlich der SCB der Sieger des Wochenendes war, musste sehr aufmerksam sein. Drei Zuger-Interviews (vor und nach dem Spiel), ein Gespräch mit Nationaltrainer Colin Muller und SIHF-CEO Patrick Bloch – alles drehte sich um den EVZ. So auch in der Einleitung des Berichts, in dem Moderator Patrick «Paddy» Kälin die Cupsiegerinnen mit keinem Wort erwähnte. Der Bärnerbär zieht die dunkelgelbe Karte… be

Flüstere dem Bär etwas.

In der Flüstertüte berichtet der BärnerBär immer wieder über Gerüchte aus der Hauptstadt. Du hast etwas gesehen oder gehört, von dem der Bär wissen sollte? Hier kannst du es ihm flüstern!

Name und E-Mail-Adresse benötigen wir nur zur Korrespondenz. Diese Angaben werden wir nie veröffentlichen.

Bitte aktiviere JavaScript in deinem Browser, um dieses Formular fertigzustellen.
Name

DER BÄRNERBÄR NEWSLETTER

Melde Dich jetzt für den bärenstarken Newsletter an und erhalte 1x wöchentlich die spannendsten Geschichten aus Bern direkt per Mail.