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Adrian Walther bodigt am Schwarzsee 2023 Oliver Hermann. Foto: Barbara Loosli

Habstetten – das böseste Dorf der Schweiz

Habstetten, das kleine Dorf mit 530 Einwohnerinnen und Einwohnern in der 7000-Seelen-Gemeinde Bolligen scheint ein besonders fruchtbarer Boden für Schwinger zu sein. Der dreifache König Ruedi Hunsperger war ein Habstetter, Willy Graber, fünfmal mit eidgenössischem Eichenlaub geehrt, stammt ebenfalls aus dem kleinen Dorf, und der Jüngste in der Reihe, dessen Vater Markus ebenfalls Eidgenosse ist, Adrian Walther, ist mit erst 22 Jahren bereits zweimal mit dem eidgenössischen Kranz ausgezeichnet worden, das erste Mal mit gerade einmal 18 Jahren.

In Habstetten gibt es doppelt so viele Schwinger mit eidgenössischem Kranz wie Beizen und ein Ende ist nicht abzusehen, denn mit Adrian Walthers jüngerem Bruder Reto steigt in dieser Saison bereits der nächste Habstetter in die Zwilchhosen.
Das grosse Aushängeschild und einer der bekanntesten Berner Sportler aller Zeiten ist nach wie vor der verstorbene Ruedi Hunsperger. «Ich habe zwar nur halb so viele eidgenössische Kränze wie du, aber ich war meistens ziemlich weit vorne», pflegte er jeweils mit einem Lächeln zu seinem Kumpel und sechsfachen Eidgenossen Fritz Uhlmann zu sagen. Kunststück bei drei Siegen an drei Teilnahmen. Jetzt schickt sich erneut ein Modellathlet aus Habstetten an, die Schwingerwelt zu erobern. Wer auf dem Brünig obenaus schwingt, das Bernisch-Kantonale und das Jurassische gewinnt, der zählt in der kommenden Saison, wenn das Fest zum 125-Jahr-Jubiläum des Eidgenössischen Schwingerverbands stattfindet, zweifellos zu den ganz grossen Favoriten. «Er wird in diesem Sommer an jedem Fest ganz vorne dabei sein», prophezeit sein Kollege und Gegner Fabian Staudenmann, letztes Jahr der ganz grosse Dominator. «Ich sehe in den Trainings, dass er nochmals einen Sprung gemacht hat», sagt Staudenmann, der es wissen muss.

Der Modellathlet
Adrian Walther bringt bei einer Grösse von zwei Metern gut 100 Kilo auf die Waage – Gardemasse für einen Schwinger. Galt er vor zwei Jahren noch als grosses Talent, ist er mittlerweile zum absoluten Topschwinger gereift, nicht zuletzt dank hartem, seriösem Training und der Leidenschaft für seinen Sport. Walther weiss, dass er über ausserordentlich gute Anlagen verfügt, ihm ist aber auch bewusst, dass sich ohne Fleiss kein Schwinger unter den Besten etablieren kann. Zuletzt trainierte er während eines WK in Magglingen dreimal täglich, normalerweise stehen während der «off-season», wenn keine Feste stattfinden, vier Schwing- und ebenso viele Krafttrainings auf dem Wochenprogramm. «Im SK Worblental trainieren wir unter den Augen des Technischen Leiters Willy Graber, er ist auch nach seinem Rücktritt fit und bringt uns vieles bei», sagt Adrian Walther. Graber, der als bösester Bodenschwinger der letzten Jahre gilt, kann namentlich in diesem Bereich seinen Schützlingen einiges beibringen. Walther: «Wir schwingen oft am Boden, das ist sehr kräfteraubend und anstrengend, und Willy hat uns viele gute Tipps, wie man auch so zum Erfolg kommen kann.» Neben den Trainings in Bolligen greift Adrian Walther auch mindestens einmal wöchentlich mit den besten Mittelländer-Schwingern zusammen, da ist das Niveau noch höher und sind die Gegner stärker als im SK Worblental. Steigt man mit den Stärksten wie Staudenmann, Aeschbacher, Schwander, Gnägi, Moser oder Ledermann zusammen ins Sägemehl, wird man echt gefordert. Doch die Konkurrenten sind auch Kameraden und an überregionalen Festen halten sie zusammen und versuchen, sich gegenseitig so gut wie möglich zu helfen. «Klar sind wir bei den Schwingfesten im Kanton Gegner, doch wenn wir an Bergfesten oder eidgenössischen Anlässen teilnehmen, unterstützen wir uns, so gut es geht. Ein Schlussgang gegen einen Schwinger aus einem anderen Teilverband ist etwas anderes, als wenn man gegen einen Kollegen kämpfen muss», sagt Adrian Walter und betont, «dass der Zusammenhalt unter den Bernern hervorragend ist.»

Zuerst in Bolligen
Bevor es am 12. Mai mit dem Mittelländischen Schwingfest in Riggisberg so richtig los geht und die Saison, in der das Jubiläums-Schwingfest des Eidgenössischen Verbands am 8. September in Appenzell den Höhepunkt darstellt, steigt Adrian Walther an kleineren Festen in der Halle in die Zwilchhosen. Im Zentrum steht dabei selbstverständlich das Fest vor der Haustüre, das Worblentaler-Schwingfest in Bolligen, das in jedem Jahr zu den Höhepunkten der Vorsaison zählt und in diesem Frühling am Samstag zum 39. Mal durchgeführt wird.

PERSÖNLICH

Adrian Walther wurde am 9. August 2001 in Bern geboren. Er ist gelernter Hochbauzeichner, hat die Berufsmatura abgeschlossen und stammt aus einer Schwingerfamilie. Vater Markus gewann 1995 den eidgenössischen Kranz. Er wohnt in Habstetten, dem gleichen Dorf, aus dem der dreifache König Ruedi Hunsperger stammt und der fünffache Eidgenosse Willy Graber wohnt. Bruder Reto ist ebenfalls Schwinger. Seine grössten Erfolge sind die Siege am Brünig-Schwinget, am Bernisch-Kantonalen 2022 und am Jurassischen 2023. Rang 2 am Brünig 2023, zwei Eidgenössische Kränze 2019 und 2022.

DAS JAHRESPROGRAMM

Adrian Walther wird vier Hallen-­Schwinget bestreiten, ehe es am Mittelländischen in Riggisberg richtig los geht.

23. März: Worblentaler in Bolligen (Halle)
12. Mai: Mittelländisches in Riggisberg
16. Juni: Seeländisches in Täuffelen
23. Juni: Schwarzsee-Bergschwinget
7. Juli: Innerschweizerisches
14. Juli: Rigi-Bergschwinget
3. August: Emmentalisches in Burgdorf
11. August: Kantonales in Burgdorf
18. August: Schwägalp-Bergschwinget
8. September: 125 Jahre ESV in Appenzell

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