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Severin Lüthi führte die Schweiz zum Sieg im Davis Cup

«Jeder Grand-Slam-Sieg hat seine eigene Geschichte»

Severin Lüthi feilt mit den jungen Davis-Cup-Spielern an den Details. Foto: KEYSTONE/Peter Schneider

Auf der Tennis-Tour der ATP bewegen sich nicht nur Gentlemen, die Liste der Rüpel ist lang und beginnt wohl bei John McEnroe, Jimmy Connors und Ilie Nastase, Nick Kyrgios war der Nächste in der Reihe, die jetzt von Holger Rune fortgesetzt wird.

Aus Schweizer Sicht nicht vergessen werden darf Martina Hingis, die sich in Roland Garros im Final des Grand Slam-Turniers im Jahr 1999 gegen Steffi Graf den schlimmsten aller im Tennis möglichen Fehltritte leistete und einen Ballabdruck auf der gegnerischen Seite kontrollierte. Die Folge davon: ein zusätzlicher Strafpunkt und «Steffi, Stefffi»-Anfeuerungsrufe bis zum Ende des Spiels.

Als Captain des Schweizer Davis-Cup-Teams standen Sie zuletzt in Holland an der Seitenlinie. Die Jungen haben zwar verloren, sich aber achtbar geschlagen, auch ohne Stan Wawrinka und den rekonvaleszenten Grosshöchstetter Dominic Stricker. Wo sehen Sie Stricker, Leandro Riedi und Jérôme Kym in zwei Jahren?
Zuerst einmal bin ich froh, sie im Team zu haben. Stricker und Riedi sind jung und schon relativ weit. Seitdem sie in Roland Garros im Juniorenfinal standen, weiss man, dass sie über grosses Potential verfügen. Die Frage stellt sich, was wir von ihnen erwarten. Für Kym ist es sicher gut, in Kitzbühel in anderer Umgebung neue Luft zu schnuppern, und da gibt es auch Marc-Andrea Hüsler, der vor kurzem noch auf Platz 45 lag. Mit Kilian Feldbausch drängt bereits der nächste Junge nach vorne. Wir sind wieder breiter aufgestellt und das ist erfreulich.

Mit Roger Federer und Stan Wawrinka gewannen Sie 2014 in Lille den Daviscup. Ihr bisher grösster Erfolg als Coach oder stehen die zahlreichen Grand-Slam-Siege an der Seite des Maestros über dem Gewinn der «hässlichsten Salatschüssel»?
Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten. Als Davis-Cup-Captain habe ich die Verantwortung für ein ganzes Team, da bin ich sehr stark involviert und auch während der Spiele bei den Seitenwechseln kann ich mehr Einfluss nehmen. Mit Federer war ich für einen Einzelspieler tätig. Jeder Grand-Slam-Sieg hat seine eigene Geschichte. War es der Erste beim US Open, war es das Australian Open nach seiner mirakulösen Rückkehr 2017 oder doch ein Erfolg in Wimbledon? Ich weiss es nicht. Alle Erfolge habe ich genossen, den Davis Cup genau so wie die Grand Slams.

Plaudern Sie ausnahmeweise für unsere Leser aus dem Nähkästchen und erzählen Sie uns eine lustige Anekdote im Zusammenleben mit Federer.
Wie lange haben Sie Zeit, denn die Liste der lustigen Anekdoten mit Roger über all die Jahre hinweg ist sehr lang. Spontan kommt mir eine Geschichte in den Sinn. Vor dem Australian Open machte mir Roger einen Vorschlag. Erfüllst Du jeden Tag eine bestimmte Aufgabe, verspreche ich Dir, das Turnier zu gewinnen. Federer entschied sich dann für täglich 500 Liegestütze. Ich erfüllte, machte während einem Monat jeden Tag 500 Liegestütze und Federer gewann das Turnier.

Wir blicken in die Gegenwart und drücken uns zurückhaltend aus. Warum um alles in der Welt, haben Sie ausgerechnet ein Engagement von Holger Rune angenommen? Die Sache hat sich ja schnell erledigt.
Rune ist ein interessanter Spieler mit einem grossen Willen, er war bereits mit 20 die Weltnummer 4 und er kann sich noch weiter steigern. Ich verstehe, dass viele Zuschauer Mühe mit ihm bekunden, wenn sein Temperament mit ihm durchgeht, doch als Coach gefällt mir sein Temperament. Wichtig war für mich auch, dass er sich persönlich bei mir gemeldet hat und ich wusste spätestens nach der Testwoche in Monaco zusammen mit Becker, dass eine interessante Aufgabe auf mich wartet.

Seine Mutter Aneke steht auch nicht im Verdacht, besonders umgänglich und pflegeleicht zu sein.
Dazu äussere ich mich nicht.

Auf der Tour glänzen in der Nach-Federer und -Nadal-Ära viele nachdrängende Himmelsstürmer, die einen erfahrenen Coach gut brauchen könnten. Jannik Sinner, Casper Ruud, Hubert Hurkacz? Was sagen Sie dazu?
Wenn ich wieder einen Job annehme und auf die Tour zurückkehre, muss vieles stimmen. Ich will nichts ausschliessen, aber die Situation muss stimmen, ich muss hundertprozentig überzeugt sein.

Nach 15 Jahren mit Federer kennen Sie auf der ATP-Tour alles und jedes, Sie sind bekannt, Becker hat über Sie gesagt, wenn man Lüthi im Team haben kann, muss man ihn nehmen. An Angeboten dürfte es nicht mangeln.
Schön, so etwas aus berufenem Mund zu hören.

Die Zeit drängt nicht. Wie lange können Sie sich ein Leben ohne ATP-Tour vorstellen.
Das kann ich mir gut vorstellen. Es wird mir nicht langweilig. Ich habe diverse Engagements, als Botschafter der FlowBank, bei uniclo, als Verwaltungsratsmitglied des EFG Swiss Open Gstaad und von Uniqfeed, ein Startup für virtuelle Werbung, sowie als Teilhaber der Mineralquelle Adelboden.

PERSÖNLICH

Severin Lüthi wurde am 5. Januar 1976 in Bern geboren. Er wuchs in Stettlen auf und begann seine Tenniskarriere im TC Ittigen. Heute Mitglied im TC Thun und GC. 2017 wurde er Schweizer Trainer des Jahres. Mit der Schweiz gewann er als Captain 2014 den Davis Cup. Höchste ATP-Klassierung 622. Coach von Roger Federer von 2007-22 bei insgesamt 17 Grand-Slam-Titeln.

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