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Alex Bangerter weiss, wie und wo Bernerinnen und Berner bevorzugt wohnen. Foto: Fabian Hofmann
Im Gespräch: Alex Bangerter, von Graffenried AG Vermarktung

Wie und wo die Menschen in Bern wohnen

145 873 Personen lebten Ende 2023 in der Stadt Bern. Wie wohnen diese Menschen und welche neuen Wohnformen gibt es für die Jungen und für ältere Generationen?

Bern ist eine sehr beliebte Stadt zum Leben und zum Wohnen. Die Hauptstadt nimmt jeweils Spitzenplätze ein, wenn Ranglisten bezüglich der Lebensqualität in Städten veröffentlicht werden. Wir wollten von Alex Bangerter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Von Graffenried AG Vermarktung wissen, wie und wo die Leute in Bern wohnen. Er kennt als Immobilien-Vermarktungsprofi die hiesigen Verhältnisse seit Jahren und weiss, welche Wohnformen heute und in Zukunft gefragt sind. Der Immobilien-Experte wohnt mit seiner vierköpfigen Familie im Dalmaziquartier, in einem älteren Haus im Stockwerkeigentum. «Ich wohne gerne in der Stadt, denn ich schätze es, dass immer etwas läuft.»

Immer mehr Single-Haushalte
Das klassische Familienmodell, wie es die Bangerters leben, wird immer seltener. Der demografische Wandel und individualisierte Lebensformen führten dazu, dass immer mehr Menschen allein wohnen. Laut Statistik gab es Ende 2022 in der Stadt Bern 32 398 Singlehaushalte, was rund 46 Prozent aller Privathaushalte entspricht. Das Angebot an kleineren Wohnungen kann mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Andere und auch neuere Wohnformen sind deshalb gefragt. Die jüngeren Singles tun sich gerne in WG’s zusammen. Ältere Alleinlebende, die es sich leisten können, wählen zum Beispiel eine der neueren Alterswohnformen mit modularen, bedürfnisorientierten Serviceangeboten wie Putz- und Mahlzeitenservices und abgestuften Pflege-Dienstleistungen. Bangerter vermutet, dass es auch eine grosse Nachfrage nach separaten Wohnungen mit solchen Serviceleistungen gibt, in welchen die rüstigen Seniorinnen und Senioren weiterhin ein eigenständiges Leben führen können. «Gute Lösungen im Bereich Alterswohnen haben eigentlich immer Erfolg, wenn das Angebot stimmig ist. Es reicht aber nicht, an der Badewanne einen zusätzlichen Griff oder im Treppenhaus einen neuen Handlauf zu montieren und das Angebot als altersgerecht zu vermarkten.»

Homeoffice und andere neue Wohn-Entwicklungen
Seit der Pandemie ist die Nachfrage nach zusätzlichen Quadratmetern für ein Homeoffice ungebrochen gross. Gutverdienende Singles leisten sich oft eine Dreizimmerwohnung und richten in einem der Räume ihr Büro ein. «In gewissen Neubauten, insbesondere im Bereich Wohneigentum», weiss Bangerter, «werden separate Homeoffice-Module angeboten, die zur Wohnung dazugemietet oder -gekauft werden können.» Ein anderes, wachsendes Angebot sind die Longstay-Appartements. Auch in Bern hat sich diese temporäre Wohnform längst etabliert. Die Appartements werden zum Beispiel von Auswärtigen, die in Bern arbeiten, für einige Monate gemietet. Oder von Personen, die temporär eine Wohnlösung suchen, etwa nach einer Trennung. Für Gewerbetreibende, die flächeneffiziente, günstige Räumlichkeiten brauchen, gibt es bereits ein ähnliches Angebot: In Industriezonen werden vorfabrizierte Gewebeboxen in Holzbauweise aufgestellt, die Platz fürs Nötigste bieten. Mit dem Lieferwagen können Gewerbler ebenerdig hineinfahren und ihr Material lagern. Vielleicht richten sie noch eine kleine Werkstatt ein. Im ersten Stock hats dann jeweils Platz für ein Büro.»

Neue Wohnquartiere in Planung
Wer wohnt wo in Bern? Die drei beliebtesten Berner Wohnquartiere sind das Kirchenfeld, die Länggasse und der Breitenrain. Im Kirchenfeld wohnen die finanzkräftigen, eher traditionell orientierten Menschen. Länggasse und Breitsch sind cool und beliebt bei Jungen mit überdurchschnittlicher Zahlungsfähigkeit und bei Junggebliebenen. Wie in allen Städten gibt es auch in Bern immer weniger günstige Wohnungen. Mit neuen Überbauungen wollen Investoren – oft in Partnerschaft mit der Stadt Bern – neuen Wohnraum anbieten. Aktuell sind in der Stadt Bern rund 18 grosse Wohnbauprojekte geplant, projektiert oder bereits realisiert. Das Wifag-Areal zum Beispiel soll vom Industrie- zu einem verdichteten Wohnquartier aufgewertet werden, vorausgesetzt, die Berner Bevölkerung stimmt der Umzonung zu. Auch im Mattenhofquartier und in Ausserholligen tut sich einiges. Bangerter nennt stellvertretend zwei Projekte. «Spannend finde ich die Entwicklung im Perimeter Warmbächli. Dort, auf dem Areal der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage, sind bald mehr als 300 preisgünstige Genossenschafts-Wohnungen bezugsbereit. Auf dem Areal der früheren Grossmetzgerei Meinen entstehen in den nächsten zwei Jahren 185 neue Wohnungen.»

STADT BERN: WENIGER LEERSTEHENDE WOHNUNGEN

Am 1. Juni 2023 lag die Leerwohnungsziffer der Stadt Bern bei 0,45 Prozent und damit 0,12 Prozentpunkte tiefer als am 1. Juni 2022. Die Zahl
der leerstehenden Wohnungen hat von 447 auf 355 abgenommen.

Die meisten Leerwohnungen hat es in den Stadtteilen
Mattenhof-Weissenbühl: 99 Wohnungen
Bümpliz-Oberbottigen: 83 Wohnungen
Breitenrain-Lorraine: 72 Wohnungen

Die wenigsten Leerwohnungen hat es in den Stadtteilen
Kirchenfeld-Schosshalde: 49 Wohnungen
Länggasse-Felsenau: 33 Wohnungen
Innere Stadt: 19 Wohnungen

Quelle: Statistik Stadt Bern, 2023

PERSÖNLICH

Alex Bangerter, geboren 1984, ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Von Graffenried AG Vermarktung. Er ist in der Stadt Bern aufgewachsen und wohnt heute mit seiner Familie (2 Kinder, 8- und 9-jährig) im Dalmaziquartier. Sein Hobby ist Fischen.

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