«Älter werden: Schwierig, Gewohnheiten zu verändern!»

Fabian Ruch
Fabian Ruch

Bern,

«Midlife-Crisis? Ach was! Als Mitt-Vierziger geht das Leben erst richtig los», schreibt Kolumnist Fabian Ruch. Dazu gehört auch der erste Gesundheitscheck.

Fabian Ruch
Kolumnist Fabian Ruch, hier für einmal nicht an der WM, sondern an der EM 2021. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Journalist Fabian Ruch schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
  • Der 48-jährige Berner schreibt über das Leben im Midlife-Crisis-Alter.
  • Heute schreibt Ruch über seinen ersten Gesundheitscheck – und über die Tücken der Gewohnheiten.
  • Es sei Zeit, sich über den eigenen Lebensstil Gedanken zu machen, findet Ruch.

In meiner letzten Kolumne schrieb ich davon, dass ich bald einen umfassenden Gesundheitscheck im Inselspital machen werde. Auf Empfehlung eines befreundeten Kardiologen. Weil man das machen sollte als Midlife-Mann, spätestens ab 40, ganz sicher bis 50. Ich bin 48, also relativ spät dran.

Meine Werte sind grösstenteils gut bis ausgezeichnet. Tiefer Blutdruck, noch keine Schäden an den Organen, ein geringes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag – zumindest in naher Zukunft.

Wobei: Das kann täglich passieren, selbst wenn Gene, Werte, körperliche Verfassung top sind. Sagt der Kardiologe. Klingt nicht eben aufbauend, aber so ist es leider nun einmal.

Und den Cholesterinwert, also die Blutfette, muss man im Auge behalten, natürlich muss man das, alle und immer – und ich rauche, ernähre mich zwar nicht ungesund, aber auch nicht ideal, trinke Alkohol.

Hast du schon einmal einen Gesundheitscheck gemacht?

Immerhin: Weil ich so viel Sport treibe, bin ich grundsätzlich sehr fit. Und was bringen mir diese Diagnosen nun? Einerseits sind sie so gut, dass ich nicht sofort mit dem Rauchen aufhöre (ja, es ist dumm) – und andererseits könnte man jetzt vorbeugen, also noch ein wenig gesünder leben, weil der Körper nichts vergisst (ja, das wäre schlau).

Womöglich wäre es sinnvoll, sagt der Kardiologe, Statin schon ab jetzt zu nehmen und nicht erst mit 60, 65. Dieses Medikament senkt den Cholesterinspiegel, blockiert die körpereigene Cholesterinproduktion in der Leber und kann das schädliche LDL-Cholesterin innerhalb weniger Wochen um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Der Kardiologe, gleich alt wie ich und sehr fit und gesund, nimmt Statin schon lange.

Der Wert der Gesundheit

Der Gang ins Spital hat bei mir einiges ausgelöst. Zumal ich im Bekanntenkreis eben leider den Fall eines Mannes erlebe, der wegen eines Tumors nicht mehr lange zu leben hat.

Es ist furchtbar – und macht einem bewusst, was wirklich zählt im Leben: Die Gesundheit.

Wir Menschen leben oft so, als ob wir ewig hier sein würden. Wir schieben auf, wir nehmen keine Rücksicht auf Körper und Geist, wir betreiben Raubbau an der Gesundheit, stecken im Hamsterrad fest – und wir haben manchmal das Gefühl, 1001 Probleme zu haben.

Zigarettenkippen Plastik Verbot
Rauchen hilft der Gesundheit leider nicht. - Keystone

Wenn man krank ist und zum Beispiel eine Krebsdiagnose erhält, hat man genau ein Problem (und wäre froh um 1001 Probleme, die ja vielleicht nur Problemchen sind).

Ein bisschen mehr Demut und Dankbarkeit wäre bestimmt ab und zu angebracht. Wir nehmen vieles so lange als Selbstverständlichkeit, bis es nicht mehr selbstverständlich ist. Das ist menschlich und normal.

Wird man aber älter, erkennt man die eigene Endlichkeit. Und es ist sehr schwierig, Gewohnheiten zu verändern. Nicht nur der Raucher weiss Bescheid. Weniger Zigaretten und Alkohol, mehr Schlaf, geregelte Essenszeiten, keine Energydrinks, weniger Kaffee, vielleicht sogar ein bisschen weniger Fleisch – die Effekte auf den Körper wären zu 100 Prozent positiv!

Bist du bereit, für die eigene Gesundheit dein Verhalten zu verändern?

Jetzt bin ich der Vater

Die Fussball-WM war leider wieder keine ideale Zeit für die Gesundheit. Zu wenig Schlaf, Grillfeste, Biere, am Morgen mehr Kaffee als gewohnt, um in Gang zu kommen, dazu Chipstüten um Mitternacht und so weiter.

Mit 48 erholt man sich nicht mehr so schnell wie mit 24 – das war übrigens 2002, als Brasilien zum letzten Mal Weltmeister wurde.

Ich schrieb ja in der letzten Kolumne, dass die Titelzigarette nach dem Triumph meines geliebten Brasiliens am 19. Juli die letzte Kippe in meinem Leben sein werde.

Tja, knapp verpasst: Der brasilianische WM-Titel und die letzte Zigarette. Aber wir arbeiten daran. Und ich habe trotz enormer Hitze im Sommer wie immer stets viel Sport getrieben. Als ob ich eine Art Legitimation benötigt hätte, um mir die WM-Nächte um die Ohren zu schlagen.

Fabian Ruch
Kolumnist Fabian Ruch ist grosser Neymar-Fan. - zvg

Seit 2000 war ich beruflich an jeder Europameisterschaft und Weltmeisterschaft im Fussball dabei, 1994 und 1998 besuchte ich Spiele mit meinem Papa.

Jetzt fand ich es sehr schön, die Begegnungen mit der Familie und mit Freunden zu verfolgen. Die WM ist vor allem auch deshalb für viele Menschen – trotz gewisser unerfreulicher Entwicklungen – ein derart grosses und grandioses Ereignis, weil sie mit Jugenderinnerungen verbunden sind.

Das erste Panini-Heftli, länger aufbleiben vor dem TV mit dem Papa, die allerersten Helden wie Zico, sich über das Ausscheiden von Deutschland freuen, die Trauer nach dem Scheitern der Brasilianer. So war das 1986.

Und so ist das 2026. Jetzt heisst der trauernde Held Neymar. Und ich bin der Papa. Es war die erste WM ohne meinen Vater, der vor drei Jahren gestorben ist.

Fabian Ruch
Fabian Ruch schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

Zum Autor

Fabian Ruch (48) ist selbständig im Bereich Kommunikation, er arbeitet unter anderem als Journalist, hat das Frauen-Sportmagazin «Sportlerin» gegründet und einen Fussball-Podcast (Anderi Liga 2.0). Er schreibt auf Nau.ch über Tücken, Herausforderungen und Chancen im Midlife-Leben. Und darüber, wie man die Balance zwischen Arbeit und Alltag, Familie und Freizeit behält und auch mal verliert – als Sportjunkie und Selbständiger, Spielernatur und Suchtreisender.

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