Vorsorge Oberland: Wie die Lebenserwartung die Vorsorge beeinflusst

Bern,
Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt, während gleichzeitig die Geburtenrate sinkt. Diese Entwicklung setzt das Rentensystem und die Vorsorge unter Druck.

Das Wichtigste in Kürze
- Die steigende Lebenserwartung setzt AHV und Pensionskassen finanziell unter Druck.
- Eine Beitragslücke kann die spätere Altersrente dauerhaft kürzen.
- Private Ersparnisse werden wichtiger, weil AHV und Pensionskasse oft nicht reichen.
Unsere Lebenserwartung steigt seit geraumer Zeit. Besonders in der Schweiz werden die Menschen immer älter. Das zeigen auch die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Im Jahr 2004 lag die Lebenserwartung bei der Geburt für Männer bei 78,6 Jahren und für Frauen bei 83,7 Jahren.
Nur 20 Jahre später sind diese Werte deutlich gestiegen. Frauen werden durchschnittlich 85,9 Jahre alt, Männer erreichen im Schnitt ein Alter von 82,4 Jahren.
Dass wir immer länger leben, ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig sinkt laut dem BFS jedoch die Geburtenrate in der Schweiz. Dadurch beziehen immer mehr ältere Menschen eine Rente, während immer weniger Erwerbstätige in das Rentensystem einzahlen.
Was unter Politikerinnen und Politikern bereits heute zu hitzigen Diskussionen führt, hat auch konkrete Auswirkungen auf die Bevölkerung. Denn die Finanzierung der Renten stellt die Schweiz vor immer grössere Herausforderungen.
Das Ungleichgewicht wächst
Die sinkende Geburtenrate in Verbindung mit der steigenden Lebenserwartung führt zu einem zunehmend wachsenden Ungleichgewicht. Wenn immer weniger junge Menschen in das Rentensystem einzahlen, gerät dieses in Schieflage.
Hinzu kommt das Ja zur 13. AHV-Rente an der Urne im Jahr 2024. Die 13. AHV-Rente wird 2026 erstmals ausbezahlt.

Rentnerinnen und Rentner erhalten bei einer Maximalrente statt 30'240 Franken neu 32'760 Franken jährlich. Die Minimalrente für Einzelpersonen beträgt neu statt 15'120 Franken im Jahr 16'360 Franken im Jahr.
Bei Verheirateten gelten andere Bestimmungen: Sind beide Ehepartner pensioniert, werden ihre beiden AHV-Renten zusammen auf maximal 150 Prozent begrenzt. Bei einer Maximalrente erhalten Ehepaare neu 49'140 Franken statt 45'360 Franken. Das ist ein Plus von acht Prozent.
Trotz 13. AHV-Rente: Die Renten schrumpfen weiter
Auch wenn die AHV dreizehnmal jährlich ausbezahlt wird, ist bei den Renten aus der Pensionskasse mit einem Rückgang zu rechnen. Verantwortlich dafür sind das dauerhaft tiefe Zinsniveau sowie die steigende Lebenserwartung. Diese Entwicklungen sorgen dafür, dass die Umwandlungssätze in der beruflichen Vorsorge weiter sinken.

In vielen Fällen decken die Leistungen aus AHV und Pensionskasse heute nur noch knapp die Hälfte des letzten Lohnes ab. Wer seinen gewohnten Lebensstandard im Alter halten möchte, benötigt jedoch rund 70 bis 80 Prozent des letzten Einkommens. Um diese Differenz auszugleichen, sollten sich Privatpersonen frühzeitig mit der finanziellen Vorsorge beschäftigen. Mithilfe von Ersparnissen oder privaten Anlagen kann die Differenz ausgeglichen werden.
Eine gute Vorsorge beginnt früh
Um die Maximalrente zu erhalten, ist eine lückenlose Einzahlung ab dem 20. Lebensjahr erforderlich. Besonders während eines Studiums, einer Weiterbildung oder eines Auslandsaufenthalts ist es wichtig, den jährlichen Mindestbeitrag von 530 Franken einzuzahlen.
Bereits eine einzige Beitragslücke kann zu einer dauerhaften Kürzung der Altersrente führen. Deshalb lohnt es sich, den Mindestbeitrag auch in solchen Lebensphasen zu bezahlen.

Grundsätzlich gilt, dass sich sowohl junge als auch ältere Menschen frühzeitig mit ihrer finanziellen Vorsorge auseinandersetzen sollten. Einzahlende als auch spätere Rentenbeziehende sind von der demografischen Entwicklung betroffen. Die private Vorsorge dürfte deshalb in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.




