SBB büsst Pendlerin wegen Hund in Ikea-Tasche

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bern,

Seit Jahren nimmt eine Bernerin ihren Terrier in einer Ikea-Tasche mit in den Zug. Plötzlich kassiert sie von der SBB dafür aber eine Busse.

SBB
«Lola fühlt sich wohl in der Tasche», sagt Vanessa B. - zVg.

Das Wichtigste in Kürze

  • «Sie sagte, dass die Tasche nicht tiergerecht sei», sagt Pendlerin Vanessa B.
  • Am Montag büsste eine Zugbegleiterin die Bernerin erstmals für ihr Hunde-Transportmittel.
  • Die SBB krebst nun zurück.

Bei der Billettkontrolle fiel Vanessa B.* aus allen Wolken. «Das habe ich seit neun Jahren noch nie erlebt», sagt sie zu Nau.ch. Es passiert am Montagmorgen, als die 49-Jährige mit dem Zug von Bern nach Burgdorf BE zur Arbeit reist.

Ihren neunjährigen Terriermischling Lola transportiert sie wie immer in einer blauen Ikea-Tasche.

Nachdem die Pendlerin ihr Ticket gezeigt hat, fragt die Zugbegleiterin sie nach dem Ticket für den Hund. «Sie sagte, dass die Tasche nicht tiergerecht sei», sagt die Bernerin. «Darauf bekam ich eine Busse von 76 Franken.»

«Lola fühlt sich wohl in der Tasche»

Noch am selben Tag ficht B. die Busse über ein Online-Formular an. «Es ist absolut anmassend, wenn die SBB mir vorschreibt, was tiergerecht ist», sagt die Pendlerin.

Und stellt klar: «Lola fühlt sich wohl in der Tasche.» Auch sei die Tasche praktisch. «Nach der Ankunft kann ich sie zusammenrollen und in den Rucksack stecken.» Zudem brauche die Tasche in den manchmal vollgestopften Zügen wenig Platz.

Hast du schon einmal eine Busse im ÖV angefochten?

Die Hundebesitzerin macht darauf aufmerksam, sich an die Regeln für das Reisen mit Hunden gehalten zu haben. «Lola ist nur 30 cm hoch.»

Ein Blick auf die Reiseinformationen der SBB bestätigt dies. Demnach dürfen Passagiere kleine Hunde bis 30 cm Widerristhöhe wie Handgepäck unentgeltlich mitnehmen. Möglich ist dies in Transportboxen, Körben oder anderen tiergerechten Behältern. Sobald der kleine Hund jedoch nicht mehr im Behälter ist, verlangt die SBB ein Hunde-Ticket.

SBB erlässt Busse

Vanessa B. stösst auch das willkürliche Vorgehen sauer auf. «Angeblich haben es alle anderen Kontrolleure vorgängig falsch gemacht und mich nicht gebüsst», sagt sie spöttisch. Die Zugbegleiterin diskreditiere mit der Busse ihre Berufskolleginnen und -kollegen.

Ihrem Ärger Luft gemacht hat sie auch in der Facebook-Gruppe «So nicht, SBB!».

Die Redaktion hat die SBB mit dem Fall konfrontiert. Sie könnten nachvollziehen, dass der ausgestellte Zuschlag bei Vanessa B. für Stirnrunzeln gesorgt habe, sagt Mediensprecherin Sabrina Schellenberg.

Jetzt die Kehrtwende: «Die SBB hat den Fall deswegen nachträglich nochmals geprüft und den Zuschlag erlassen.» Sie müsse einzig die Bearbeitungsgebühr zahlen.

Die Mediensprecherin merkt jedoch an, dass der Hund im vorliegenden Fall nicht in der Tasche, sondern darauf gewesen sei. «Deshalb hatte die SBB ihr im Zug einen Zuschlag ausgestellt.» Zudem präzisiert sie, dass der Behälter, in dem sich der Hund befindet, unter dem Sitz platziert wird.

«Grundsätzlich gilt: Damit das System fair bleibt, braucht es Regeln.»

«Nicht für den sicheren Transport konzipiert»

Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) hält die Ikea-Tasche als Transportmittel für ungeeignet. «Plastiktaschen sind nicht für den sicheren Transport von Lebewesen konzipiert», sagt die rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin Aline Haas.

Hunde benötigen auf Reisen laut Haas eine stabile Unterlage. Die mangelnde Möglichkeit eines stabilen Standes könne die Wirbelsäule und die Gelenke während der Reise stark belasten.

«Weiter bietet eine solche offene Tasche keinerlei Schutz vor Reizen», sagt Haas. Hunde könnten sich bei Bedürfnis nach Rückzug nicht ins Innere der Tasche zurückziehen.

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Hunde benötigen auf Reisen laut der Stiftung für das Tier im Recht eine stabile Unterlage. - keystone

Sie warnt sie davor, dass Hunde bei einer derart offenen Tasche jederzeit unkontrolliert herausspringen könnten. Auch seien sie angesichts der instabilen Seitenwände nicht geschützt. «Etwa vor den Füssen vorbeigehender Fahrgäste oder rollenden Koffern.»

Haas rät zu speziellen Hundetragetaschen oder Hunderucksäcken. «Tiergerechte Behälter sind mit Netzeinsätzen ausgestattet, die eine ständige Luftzufuhr gewährleisten und einen Hitzestau verhindern.»

Gute Transportbehälter hätten im Inneren zudem eine kurze Sicherungsleine, die am Brustgeschirr des Hundes befestigt werden könne. «Um ein Herausspringen bei geöffneter Tasche zu verhindern.»

Laut Haas ist besonders wichtig, dass der Transportbehälter auf die Grösse des Hundes abgestimmt ist. Die Frauchen und Herrchen sollten sich während der Reise zudem immer wieder vergewissern, dass es dem Tier gut geht. «Unabhängig vom gewählten tiergerechten Behälter.»

*Name der Redaktion bekannt.

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