Bern unvergesslich: «Neophyten» erobern das Archiv

Bern,
Im Archiv der Burgergemeinde Bern taucht eine seltene Holzmustersammlung von 1797 aus Gotha auf – ein lebendiges Zeugnis der Forstgeschichte und eine Rarität.

Von wegen totes Archiv! Hier findet sich durchaus Lebensnahes. Wie beispielsweise im Archiv der Forstverwaltung der Burgergemeinde Bern: da gibt es eine Sammlung mit Holzmustern zur Bestimmung von Holzarten in Buchform. Die 1797 durch einen Verlag in Gotha vertriebene Sammlung ist heute eine Rarität.
Vor allem aber markiert sie einen Umbruch im bernischen Forstwesen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnte Bern seinen Bedarf an Holz aus den eigenen Wäldern nicht mehr decken. Eine ökonomische Bewirtschaftung sollte den Ertrag der Wälder steigern.
Dafür brauchte es wissenschaftlich ausgebildete Förster wie Albrecht Franz Gruber (1767–1827). Als einer der ersten Schweizer Förster hatte er in Deutschland studiert und Praktika im Ausland absolviert. Gruber liess die Berner Wälder für die Umsetzung einer nachhaltigen Bewirtschaftung vermessen und taxieren.

Zudem galt er als Experte für Borkenkäfer und Baumschulung. Besonders interessierte er sich für den Anbau exotischer Baumarten. 1809 legte er nahe dem Bremgartenwald beim heutigen Studerstein einen Baumpark mit über 350 verschiedenen Baumarten an.
Das Wissen über die exotischen Bäume eignete sich Gruber unter anderem durch die Lektüre von Reiseberichten an, die wertvolle Informationen über Klima und Botanik der Herkunftsländer enthielten.
Die Hölzersammlung in der Burgerbibliothek war wohl auch deshalb für ihn von Interesse, weil sie nicht nur die Vielfalt der exotischen Holzarten dokumentierte, sondern ebenso deren «technologische» Verwendungsmöglichkeiten für Handwerk und Industrie.








