Simone Richner (FDP): «Platz für alle – auch für unsere Lädeli»

Bern,
Die Berner Altstadt ist geprägt von ihren eigenstänigen Geschäften. Stadträtin Simone Richner (FDP) fordert in ihrer Kolumne mehr Augenmass bei den Regeln.

Die Berner Altstadt ist Weltkulturerbe. Doch ihr Wert liegt nicht allein in Sandsteinfassaden, Lauben und historischen Gewölben. Sie lebt von den Menschen, die hier arbeiten, handeln und ihre Geschäfte führen.
Gerade die kleinen, eigenständigen Läden machen Bern unverwechselbar. Sie prägen unsere Altstadt seit Generationen – und sind Teil ihrer Identität.
Viele dieser Geschäfte liegen jedoch dort, wo man sie nicht sofort sieht: im Keller, im Hof, im Obergeschoss oder hinter einem zurückversetzten Eingang. Für sie ist ein Kleiderständer, ein Bücherkorb oder ein mobiles Hinweisschild keine blosse Dekoration. Es ist oft das Schaufenster, das ihnen fehlt.

Natürlich muss die Altstadt für alle zugänglich sein. Menschen im Rollstuhl brauchen genügend Platz, Menschen mit Sehbehinderungen müssen Hindernisse erkennen können. Sicherheit und Hindernisfreiheit sind zentral.
Doch daraus darf keine starre Schablone entstehen. Ein gut sichtbares Erdgeschossgeschäft hat andere Voraussetzungen als ein versteckter Kellerladen. Eine Begrenzung auf 50 mal 50 Zentimeter hilft wenig, wenn der Hinweis dadurch seine Funktion verliert.
Was es braucht, ist Augenmass: hinschauen, die örtlichen Verhältnisse prüfen und Lösungen suchen, bevor verboten wird. Wer unser Weltkulturerbe bewahren will, darf deshalb nicht nur Mauern und Fassaden schützen. Er muss auch dafür sorgen, dass jene bleiben können, die diese Räume mit Leben füllen.
Denn wenn unsere Lädeli verschwinden, bleiben vielleicht die schönen Gewölbe. Aber dahinter wird es still.
Zur Autorin
Simone Richner ist Berner Stadträtin und Teil der FDP.






