In Ostschweizer Grenznähe wird bald eine Section Control aktiv

Bern,
Die Geschwindigkeiten im Pfändertunnel bei Bregenz A werden erstmals temporär mittels einer sogenannten Section Control überwacht. Die St. Galler Kantonspolizei hingegen verzichtet auf dieses System, bei dem die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke errechnet wird. Definitiv einführen wird sie Drohnen zur Messung der Geschwindigkeit.

Wer den Fuss zu fest auf dem Gaspedal hat, riskiert, von einem Radar geblitzt zu werden. Auch wenn man lediglich kurz zu schnell ist. Etwas anders ist es bei der sogenannten Section Control, bei der die Durchschnittsgeschwindigkeit von Verkehrsteilnehmenden über eine längere Strecke ermittelt wird. Bald kommt dieses System im Pfändertunnel im österreichischen Bundesland Vorarlberg zum Einsatz, während es in der Schweiz sehr zurückhaltend eingesetzt wird.
Eingerichtet wird das System der Section Control in der Weströhre, wie Alexander Holzedl, Pressesprecher des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schrieb. Dabei wird das Kennzeichen jedes Fahrzeugs sowohl bei der Ein- als auch der Ausfahrt des kontrollierten Strassenabschnittes erfasst und mit einem Zeitstempel versehen.
Die beiden Zeitstempel werden anschliessend miteinander verglichen. Wird eine bestimmte Fahrtzeit unterschritten, war das Fahrzeug zu schnell unterwegs und die Fahrerin oder der Fahrer erhält von der Polizei eine Busse.
Aktiv sein wird die Section Control jeweils von 20 bis fünf Uhr morgens, und zwar «in naher Zukunft» bis am 24. Oktober. Bis voraussichtlich im Herbst finden in der Oströhre gemäss Holzedl vor allem nachts Bauarbeiten statt. Folglich fahren die Fahrzeuge in der Weströhre während der Nacht im Gegenverkehr.
Während Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder im Gegenverkehr durch den Tunnel rollen, sollen die Geschwindigkeitsmessungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitragen. «Ist eine Section Control installiert, fahren die Menschen durchschnittlich sieben Stundenkilometer langsamer im Baustellenbereich», so Holzedl. Was zunächst nicht nach viel klinge, habe grossen Einfluss auf die Verkehrssicherheit. «Mit einer Section Control gelingt es, die Anzahl Unfälle teilweise um 50 Prozent zu reduzieren.»
Österreich hat bereits über 20 Jahre Erfahrung im Einsatz solcher elektronischer Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen. Im September 2003 wurde ein Autobahntunnel in Wien mit der ersten Section Control ausgestattet. Mittlerweile sind im gesamten Land 34 mobile Anlagen im Einsatz, hinzu kommen mehrere fix installierte.
Häufig werden die Anlagen im Baustellenbereich eingesetzt. «Section Control ist ein Erfolgskonzept für Sicherheit in Baustellen», so Holzedl. Weitere Faktoren für einen möglichen Einsatz sind die Höhe des Verkehrsaufkommens auf einer Strecke oder ob es sich um eine kurvenreiche Strasse handelt.
Während in Österreich die Section Control-Anlagen relativ häufig eingesetzt werden, ist man in anderen europäischen Ländern zurückhaltender. Im deutschen Bundesland Niedersachsen ist gemäss dem ADAC der Betrieb einer Section Control aus Datenschutzgründen eingestellt worden.
Bei der Anlage der Asfinag seien «alle Vorgaben aus den strengen Datenschutzrichtlinien gewährleistet und erfüllt», so deren Pressesprecher Alexander Holzedl. «Zugriff auf die Daten aus der Section Control-Überwachung hat ausschliesslich die Polizei, und auch nur sie verhängt Strafen bei Übertretungen.» Halten Verkehrsteilnehmende die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit ein, würden die Daten unmittelbar wieder gelöscht.
In der Schweiz hat sich das Bundesamt für Strassen (Astra) vor rund 15 Jahren intensiv mit Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen befasst, wie dessen Kommunikationsverantwortliche Sarina Keusch auf Anfrage erklärte. Im Arisdorftunnel im Kanton Basel-Landschaft ging nach Abschluss der Tests in der Röhre Fahrtrichtung Süd eine Section Control in den regulären Betrieb.
Mittlerweile hat die Anlage gemäss Keusch das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, Ersatzteile seien nur noch schwer erhältlich. Die Section Control ist bereits ausgeschaltet und wird während kommenden Sanierungsarbeiten entfernt. Ob eine neue Geschwindigkeitsmessanlage installiert wird, sei noch offen.
«Die Tests von 2010 wie auch der langjährige reguläre Betrieb der Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle haben gezeigt, dass die Technik funktioniert», schrieb Sarina Keusch weiter. Darüber, welche Art von Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt wird, entscheidet jedoch nicht das Astra, sondern die Kantonspolizeien.
Eine Nachfrage bei der Kantonspolizei St. Gallen ergab, dass der Einsatz von Section Control nie geprüft wurde und in naher Zukunft auch nicht angedacht ist. «Anstelle von fixen Anlagen setzten wir auf mobile Systeme. Einzig an Unfallschwerpunkten werden fix installierte Anlagen angebracht», teilte die Medienstelle mit. Die Polizei setzt dann auf Blitzer.
Als zusätzliches Mittel für Geschwindigkeitsmessungen wird die St. Galler Kantonspolizei künftig auf Drohnen setzen. Nach einer Testphase sei deren Einsatz für Geschwindigkeitsmessungen nun definitiv beschlossen worden. Während der aktuell laufenden «Erfahrungsphase» würden die entsprechenden Einsätze ausgewertet. Details zu den Geschwindigkeitsmessungen mit Drohnen wird die Kantonspolizei St. Gallen voraussichtlich im Herbst kommunizieren.





