Ökologische Bewirtschaftung für städtische Flächen geplant

Die Stadt Biel geht weiter als der Pestizidverzicht: Städtische Agrarflächen werden neu nach Bio-Suisse-Richtlinien bewirtschaftet. Verträge werden angepasst.

Wie die Stadt Biel berichtet, setzt der Gemeinderat die Forderungen aus dem überparteilichen Vorstoss «Bieler Landwirtschaftsflächen ohne Pestizide» um und geht sogar noch einen Schritt weiter: Künftig wird auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Eigentum der Stadt nicht nur auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide verzichtet, sondern die Landwirtschaftsflächen sollen neu nach agrarökologischen Prinzipien bewirtschaftet werden.
Das fordert auch das Netzwerk Stadt Ernähren in der Petition «Biel wird essbar – Für die Quartiere. In unseren Händen. Mit dir!». Der Gemeinderat will diese ebenfalls umsetzen.
In Zukunft setzt die Stadt Biel auf den landwirtschaftlichen Flächen in ihrem Besitz auf ökologische und soziale Lebensmittelproduktion und verzichtet damit automatisch auf den Einsatz von Pestiziden.
Agrarökologie künftig als Grundsatz
Eine überparteiliche Motion aus dem Jahr 2025 fordert den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide auf den landwirtschaftlichen Flächen der Stadt. Betroffen sind Flächen im Eigentum der Stadt in Biel, Brügg, Lamboing, Leubringen, Prés-d’Orvin und Scheuren, für welche die Stadt Verträge zwecks landwirtschaftlicher Nutzung hat.
Am 6. März 2026 reichte zudem das Netzwerk Stadt Ernähren die Petition «Biel wird essbar – Für die Quartiere. In unseren Händen. Mit dir!» ein. Das Netzwerk fordert, dass der Gemeinderat einen Plan zur Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen der Stadt nach agrarökologischen Prinzipien ausarbeitet.
Der Gemeinderat hat dazu Stellung genommen und beschlossen, dass die städtischen Landwirtschaftsflächen in Zukunft konsequent nach agrarökologischen Prinzipien bewirtschaftet werden sollen.
Ökologische Landwirtschaft als Vorgabe
Die Stadt wird die neuen Vorgaben – darunter die Produktion nach Bio-Suisse-Richtlinien –schrittweise über die bestehenden Vertragsverhältnisse umsetzen. Dazu wird sie mit den betroffenen Landwirtinnen und Landwirten Gespräche führen und die entsprechenden Verträge innerhalb einer angemessenen Frist anpassen. Freiwerdende Flächen werden über das städtische Zwischennutzungsportal ausgeschrieben.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind nicht mehr erlaubt. Zur Regulierung von Schadorganismen können präventive Massnahmen, mechanische Methoden sowie biologische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
Pestizide haben negative Auswirkungen auf Umwelt und Mensch
Chemisch-synthetische Pestizide werden in der Landwirtschaft und im Gartenbau eingesetzt, um Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten oder konkurrierenden Pflanzen zu schützen. Sie sind in der Schweiz zwar grundsätzlich erlaubt, Studien belegen jedoch, dass der Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden negative Auswirkungen auf Umwelt, Gewässer und Biodiversität haben kann (dazu das Factsheet Pestizide: Auswirkungen auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen von scnat von 2021).
Rückstände in Lebensmitteln sowie in Luft, Wasser und Boden stehen im Verdacht, die menschliche Gesundheit zu beeinträchtigen (in einem Positionspapier Position Pestizide vom Juni 2021 nimmt die Krebsliga dazu Stellung).
Umweltschutz unter Berücksichtigung der Möglichkeiten
Mit diesen Massnahmen stärkt die Stadt Biel den Schutz von Umwelt, Gewässern und Biodiversität und setzt ihre Verpflichtungen im Rahmen der Charta für eine nachhaltige Ernährung des Klimabündnis Schweiz um.
So sieht auch das Ziel aus dem Legislaturprogramm 2025–2028 vor, eine vorausschauende, sozial orientierte und langfristig ausgerichtete Politik zu verfolgen und eine gesunde, umweltfreundliche Ernährung zu fördern.
Das bedeutet, dass ein besonderes Augenmerk auf den Zugang zu gesunden und erschwinglichen Lebensmitteln insbesondere für Personen mit beschränkten wirtschaftlichen Mitteln gelegt wird. Gleichzeitig bleibt eine wirtschaftlich tragfähige landwirtschaftliche Nutzung der städtischen Flächen gewährleistet.






