Gemeinde Kandersteg und Kanton suchen Kompromiss für Asylunterkunft

Statt einer Kollektivunterkunft dürfte in der Gemeinde Kandersteg ein Wohnbauprojekt oder ein Ausbildungszentrum für Asylsuchende entstehen. Die widerständige Gemeinde und der Kanton haben sich darauf geeinigt, gemeinsam nach einer «möglichst tragfähigen Lösung» zu suchen.

Die kantonale Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) habe zugesichert, dass sie ein allfälliges Wohnbauprojekt «nicht verhindern werde», teilte der Kandersteger Gemeinderat mit. Zuvor hatten sich der Gemeinderatspräsident René Maeder (Mitte) und der zuständige Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP) zu einem Gespräch getroffen.
Die Möglichkeit eines Wohnbauprojekts werde nun «vertieft geprüft», so die Gemeinde. Sollte es nicht umsetzbar sein, ist der Kanton laut der Mitteilung bereit, ein Ausbildungszentrum für Asylsuchende und Flüchtlinge aufzubauen. Dieses soll sich auf die Bereiche Hotellerie, Gastronomie und Tourismus konzentrieren – und sich von einer «herkömmlichen» Kollektivunterkunft unterscheiden.
Die GSI bestätigte am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass «ein Gespräch im erwähnten Rahmen» stattgefunden habe. Der Kanton Bern sei bereit, in Kandersteg ein Ausbildungszentrum zu eröffnen und arbeite langfristig darauf hin, möglichst viele solcher Zentren zu schaffen.
Auf mögliche Alternativstandorte für eine Kollektivunterkunft, sollte die vorgesehene Liegenschaft in Kandersteg wegfallen, ging der Kanton nicht näher ein. Man passe sich situativ an, alternative Standorte eingeschlossen.
Der Gemeinderat von Kandersteg begrüsst die Haltung des Kantons laut seiner Mitteilung als konstruktiv. Erst noch vor zwei Wochen berichtete er in anderen Tönen von einem vorangegangenen Treffen. Er habe «mit grosser Enttäuschung» zur Kenntnis genommen, dass der Kanton an seinem Vorhaben festhalte und die Asylunterkunft gegen den Willen der Gemeinde eröffnen wolle, hiess es damals. Die Exekutive stellte in diesem Rahmen in Aussicht, sämtliche rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und auszuschöpfen.
Zuvor hatte Maeder, der auch im Grossen Rat sitzt, mit einer Motion gefordert, dass Standortgemeinden in der Planung von grösseren Asylunterkünften ein Vetorecht erhalten. Das Kantonsparlament lehnte das Ansinnen ab. In Kandersteg formierte sich zudem eine Interessengemeinschaft gegen die Asylunterkunft, die ursprünglich ab 2028 Platz für maximal 200 Menschen hätte bieten sollen.






