Nadja Günthör (SVP): «Sparen wir wirklich am richtigen Ort?»

SVP-Grossrätin Nadja Günthör hält die Unterstützung der Armee für Sport- und Kulturanlässe für unverzichtbar. Das begründet sie in ihrem Gastbeitrag.

Zur aktuellen Diskussion über die geplante Einschränkung von Armeeeinsätzen bei Sport- und Kulturanlässen möchte ich meine persönliche Erfahrung einbringen. Als OK-Präsidentin des Eidgenössischen Musikfestes 2026 in Biel durfte ich erleben, welchen Wert diese Unterstützung für einen Grossanlass und unsere Gesellschaft hat.
Selbstverständlich muss die Armee ihren Kernauftrag erfüllen und ihre Angehörigen auf Krisen- und Verteidigungssituationen vorbereiten. Dieser Auftrag steht ausser Frage. Doch daraus abzuleiten, dass Unterstützungsleistungen für zivile Grossanlässe verzichtbar sind, greift zu kurz.

Das Eidgenössische Musikfest findet normalerweise alle fünf Jahre statt. Nachdem Interlaken den Anlass nach rund zehn Jahren Vorbereitung zurückgegeben hatte, standen wir vor einer grossen Herausforderung: Keine fertigen Konzepte, keine gesicherte Finanzierung und eine grosse Verantwortung gegenüber den Vereinen, die jahrelang darauf hingearbeitet hatten.
Mit Leidenschaft, Demut und grossem persönlichem Einsatz habe ich gemeinsam mit meinem OK-Team diese Aufgabe übernommen. Innert nur 15 Monaten konnten wir praktisch aus dem Nichts ein eidgenössisches Musikfest erfolgreich durchführen.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor war die Unterstützung durch Armee und Zivilschutz. Da Interlaken damals versäumt hatte, das entsprechende Gesuch rechtzeitig einzureichen, erhielten wir kurzfristig nur noch 25 Angehörige der Armee.

Für diese Unterstützung waren wir sehr dankbar. Auch der Zivilschutz unterstützte uns mit grossem Engagement und leistete einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Anlasses.
Diese Erfahrung zeigt: Ohne diese Unterstützung wären viele eidgenössische Sport- und Kulturanlässe kaum mehr möglich. Es geht nicht nur um Arbeitskräfte, sondern um Zusammenhalt, Freiwilligenarbeit und die Verbindung unseres Landes.
Auch die jungen Angehörigen der Armee profitieren. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Solche Einsätze sind eine wertvolle Ergänzung zur militärischen Ausbildung.
Natürlich muss die Armee jederzeit bereit sein, ihren Sicherheitsauftrag zu erfüllen. Doch Grossanlässe werden langfristig geplant. Mit guter Koordination sollte beides möglich sein.
Die Frage ist deshalb: Sparen wir wirklich am richtigen Ort? Der finanzielle Aufwand mag begrenzt sein, der gesellschaftliche Nutzen ist jedoch gross. Wir sollten nicht aus kurzfristigen Überlegungen Strukturen abbauen, die sich bewährt haben.
Manchmal ist der kleinste finanzielle Beitrag derjenige mit der grössten Wirkung.
Zur Autorin
Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.






