Stadt Bern

Diese acht historischen Bäder erzählen von Ostschweizer Badekultur

Keystone-SDA Regional
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Bern,

Dort, wo sich die Menschen der Region seit vielen Generationen abkühlen, lässt sich der Sommer auch heute geniessen. Abgesehen vom erfrischenden Bad, bieten acht historische Badeanstalten in der Ostschweiz interessante Architektur mit Geschichte und Geschichten.

An zentraler Lage nahe der Altstadt und mit Aussicht auf den Munot: die «Rhybadi» in Schaffhausen von 1870.
An zentraler Lage nahe der Altstadt und mit Aussicht auf den Munot: die «Rhybadi» in Schaffhausen von 1870. - Bild: Tanja Schätti, Schweizer Heimatschutz

Passend zur Saison veröffentlichte der Schweizer Heimatschutz vor kurzem die dritte und vollständig überarbeitete Auflage der Publikation «Die schönsten Bäder», ein Best-of historischer Badis in der ganzen Schweiz.

Die ersten Freibäder im heutigen Sinn entstanden im 19. Jahrhundert – und zwar vor allem aus hygienischen Gründen, wie es in der Publikation heisst. Denn: «Die wenigsten Häuser in den wachsenden Städten verfügten damals über ein Badezimmer.» Zwischen 1883 und 1896 sei es zu einem eigentlichen «Bäderboom» gekommen. Zur Inspiration dienten demnach Badehäuser in Triest und Venedig.

Später kamen Licht-, Luft- und Freibäder mit Becken an Land dazu. Letztere wurden erst mit der Erfindung von Eisenbeton möglich und entstanden meistens in der Nähe von Fliessgewässern, die das Badewasser lieferten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die alten Holzbadeanstalten im See durch Strandbäder mit grossen Liegeflächen ersetzt. Aus getrennten Männer- und Frauenbädern wurden Familienbadis.

Diese acht historischen Bäder der Ostschweiz finden sich unter den vom Schweizer Heimatschutz zusammengestellten Bädern:

-Rheinbadeanstalt , Schaffhausen: Gross, historisch und originell: Die «Rhybadi» wurde 1870 von Johann Gottfried Meyer erbaut. Seither stemmt sich die Holzkonstruktion, die auf Stützen aus Eisenbeton angelegt ist, in Form eines Schiffs gegen die Strömung des Rheins. Mit einer Breite von 30 und einer Länge von 180 Metern ist sie das grösste noch erhaltene Kastenbad der Schweiz. 1913 wurde es um das Frauenbad erweitert.

-Strandbad Hüttwilersee, Hüttwilen TG: Richtig alt sind die Bauten am Hüttwilersee, der zusammen mit dem Nussbaumersee und dem Hasensee zum Naturschutzgebiet Seebachtal gehört, zwar nicht mehr. Die neuen Holzbauten aus Fichtenholz seien aber als Reminiszenz an die Vorgängerbauten aus den 1930er-Jahren mit einer roten Schlämmfarbe gestrichen, heisst es in den «Schönsten Bädern». Der Kiesstrand ist laut Webseite der Badi 40 Meter lang.

-Strandbad Buchhorn, Arbon TG: «Sozibad» titelt der Heimatschutz zum 1933 eingeweihten Arboner Strandbad und schreibt: «Die im Geist des Neuen Bauens erstellte Anlage hatte ihre Anfänge in wirtschaftlich schweren Zeiten.» Der See sei in zweijähriger «Fronarbeit» von Mitgliedern der SP und des Arbeiterturnvereins erschlossen und die Anlage selbst samt Restaurant von Freiwilligen gebaut worden. Das «elegante Bauwerk» sei noch heute ein «Paradebeispiel der Moderne». Die Anlage am Bodensee bietet eine grosse Liegewiese und einen alten Baumbestand.

-Schwimmbad Heiden AR: Dieses Schwimmbad entstand aus einer Krise heraus. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben im Kurort Heiden die Gäste aus. Innovative Geister hätten daraufhin die Flucht nach vorn ergriffen, schreibt der Heimatschutz. Mit dem «Schwimm- und Sonnenbad» habe man 1931 eine aufgeschlossene inländische Kundschaft ansprechen wollen und mit Beda Hefti den damals erfahrensten und bekanntesten Bäderarchitekten gewinnen können. «Mit den Sonnendecks, den relingartigen Absturzsicherungen und dem Turm, der an einen Schiffskamin erinnert, greift Hefti nautische Elemente auf.»

-Seebadeanstalt Rapperswil SG: Die Holzkonstruktion auf Betonpfählen und -platten am Zürichsee entstand zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Anlehnung an die Kastenbäder früherer Zeiten. Die Badi liegt hinter dem Schloss in Rapperswil und wird deshalb auch «Schlossbadi» genannt. Hier soll der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher für seine Geschichte über einen jungen Bademeister Inspiration gefunden haben.

-Frauenbad Kreuzweiher, St. Gallen: Künstlich angelegte Wasserspeicher oberhalb der Stadt laden an heissen Tagen in St. Gallen zum Bad ein: die «drei Weieren». Früher badete man hier an den Weihern und in den Badis nach Geschlechtern getrennt. Heute ist noch die Frauenbadi von 1897 am Kreuzweiher für Frauen reserviert. Sie sei eine «zeittypische Vertreterin der Architektur» an der Schnittstelle von Historismus und Heimatstil, heisst es dazu. In der seit einigen Jahren existierenden Sauna haben auch Männer zu festgelegten Zeiten Zutritt.

-Freibad Ygruben, Glarus: Dieses Bad von 1922 sollte aus Spargründen geschlossen werden. Dass es noch geöffnet ist, sei dem Engagement eines privaten Vereins zu verdanken, schreibt der Heimatschutz. Das Freibad Ygruben ist eines der früh erbauten Schwimmbäder mit künstlichem Becken. Seit 1996 ist es ein kantonales, seit 1999 auch ein eidgenössisch geschütztes Objekt.

-Freibad Sand, Chur: Die Badi Sand entstand als eines der ersten Freibäder mit Becken in der Schweiz zwischen 1921 und 1922. Das Bassin wird von den Einzelkabinen umrahmt und liegt mitten in der Churer Altstadt. Hier regelte früher laut Heimatschutz ein Stundenplan das Baden – nach Geschlechtern und im Zweistundentakt. Die Liegeflächen auf dem Dach der Umkleidekabinen entstanden 1957. Das Badewasser im Becken wird nur von der Sonne geheizt. «Gfrörli» dürfen Gäste daher nicht sein.

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