Alle Berner Hauskatzen sollen bald gechippt werden

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Bern,

Der Kanton Bern will Hauskatzen chippen lassen. So sollen Streuner schneller zugeordnet und Tierheime entlastet werden.

Katze Tierarzt
Im Kanton Bern sollen Hauskatzen künftig gechippt und registriert werden. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kanton Bern soll eine Chip-Pflicht für Katzen kommen.
  • Der Grosse Rat nahm einen entsprechenden Vorstoss an.
  • Damit sollen herrenlose Katzen besser zugeordnet werden können.
  • Gegner warnen vor unnötiger Bürokratie.

Eine Katze läuft weg. Niemand weiss, wem sie gehört. Die Tierheime sind vielerorts voll und plötzlich wird aus einem vermissten Haustier ein Fall für den Tierschutz.

Genau solche Fälle will der Kanton Bern künftig besser in den Griff bekommen. Der Grosse Rat fordert eine Chip- und Registrierungspflicht für Hauskatzen. Eine entsprechende Motion wurde mit 86 zu 63 Stimmen überwiesen.

Volle Tierheime, bedrohte Wildtiere

Eingebracht wurde der Vorstoss von Grossrätinnen und Grossräten aus GLP, EVP, SP, Grünen, Mitte und FDP. Die Chip-Pflicht soll den Tierschutz stärken, die Biodiversität schützen und den Umgang mit verwilderten Katzen vereinfachen.

GLP-Grossrat Casimir von Arx kennt das Problem aus nächster Nähe. Der Präsident des Bernischen Tierschutzes verwies in der Debatte auf rund 300'000 verwahrloste und verwilderte Katzen in der Schweiz.

Casimir von Arx
GLP-Grossrat Casimir von Arx ist Präsident des Bernischen Tierschutzes. Er warb im Grossen Rat für die Chip-Pflicht. - zVg

Diese Tiere jagten Vögel, kleine Reptilien und Amphibien. Von Arx warnte auch vor Folgen für Wildtiere. «Wenn Heerscharen von Katzen auf der Jagd sind, wird es für die kleinen Wildtiere zu einem ernsten Problem.»

Auch für die Biodiversität werde das problematisch. Zudem würden sich unkastrierte Freigängerkatzen unkontrolliert vermehren.

Chip soll Klarheit schaffen

Heute könne oft nicht festgestellt werden, wem eine herrenlose Katze gehöre, argumentierte von Arx weiter. Ein Chip-Obligatorium würde bestehende Verfahren vereinfachen und Bürokratie abbauen.

EVP-Sprecherin Katja Streiff verwies auf die Regelung bei Hunden. Dort sei ein Chip selbstverständlich. «Es ist nicht ersichtlich, weshalb das bei Katzen anders sein sollte», sagte sie.

Ein Chip schafft Klarheit über den Status einer Katze.

SP-Grossrätin Susanne Claus schilderte ein typisches Szenario: Eine Person füttert jahrelang eine Katze im Garten und zieht dann um. Das Tier bleibt zurück. Niemand weiss, wem es gehört.

Die Tierheime aber seien schon jetzt überlastet.

Kosten sollen Halterinnen treffen

Grünen-Grossrat Thomas Hiltbold nannte einen weiteren Vorteil des Chips: Wer eine verletzte oder kranke Streunerkatze aufgreift, kann dank des Chips die Besitzerinnen und Besitzer ermitteln. Die Veterinär- und Aufenthaltskosten könnten ihnen dann in Rechnung gestellt werden.

Thomas Hiltpold Grüne
Grünen-Grossrat Thomas Hiltbold sieht in der Chip-Pflicht auch eine Kostenfrage. - zVg

Heute bleiben diese Kosten oft ungedeckt.

Auch der Regierungsrat begrüsste das Anliegen grundsätzlich. Eine kantonale Chip-Pflicht würde den Vollzug stark erleichtern. Die Regierung hätte die Einführung aber zuerst prüfen wollen.

SVP wollte Freiwilligkeit

Gegen die Pflicht stimmten grosse Teile von SVP, FDP, EDU und Mitte. Die SVP-Fraktion sei «grossmehrheitlich überzeugt», dass eine freiwillige Registrierung ausreiche, sagte SVP-Grossrat Toni Brunner.

«Verantwortungsvolle Halter chippen heute freiwillig», argumentierte Brunner. Die SVP setze lieber auf Prävention und Eigenverantwortung.

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Das Parlament sah das anders. Geschlossen für die Pflicht stimmten SP, Grüne/AL, GLP und EVP. Die EDU stimmte als einzige Fraktion geschlossen dagegen.

Wie die Chip-Pflicht umgesetzt wird und ab wann sie gilt, muss nun die Regierung ausarbeiten.

Auf nationaler Ebene ist ein ähnlicher Vorstoss bereits gescheitert. Der Bundesrat hatte eine nationale Chip-Pflicht zwar unterstützt, Der Nationalrat lehnte die Motion im Mai 2025 aber ab.

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