Beck vertraut Kunden: «Dürft mitnehmen und später zahlen»

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Bern,

Staunen in Bern: Eine Bäckerei mitten in der Stadt lässt Kunden ihr Gipfeli einfach mit nach Hause nehmen, wenn sie es nicht gleich zahlen können.

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Dieser Beck – die Filiale ist nur ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof Bern entfernt – vertraut seiner Kundschaft. Ein Risiko, das sich lohnt? - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Bäckerei in Bern erlaubt Kunden, ihr Gipfeli mitzunehmen und später zu zahlen.
  • Hintergrund: Das Kartengerät ist kaputt – und heute haben viele kein Bargeld mehr dabei.
  • Der Chef der Bäckereikette sagt: «Man darf schon noch ein wenig Vertrauen haben.»

Die Stadt hat den Ruf des Unpersönlichen. Wohl darum sorgt ein Schild an einer Berner Bäckerei umso mehr für Staunen bei der Kundschaft.

Auf einem Zettel an der Tür der Bäckerei Röthlisberger im Monbijouquartier, nur ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, steht handgeschrieben: «Keine Kartenzahlung», im Moment sei nur die Zahlung mit Bargeld oder Twint möglich.

Auf einem zweiten Zettel direkt darunter heisst es: «Ihr dürft aber auch mitnehmen und dann morgen / später zahlen.»

Ein grosser Vertrauensbeweis für die Kundschaft – einer, der sich lohnt?

«Früher hatte man Bargeld dabei, heute nicht mehr»

Hugo ter Braak, der Chef der Bäckerei, sagt zu Nau.ch: «Es ist natürlich ein gewisses Risiko, die Leute könnten das Angebot missbrauchen. Doch diese Erfahrungen haben wir gar nicht gemacht.»

Im Gegenteil. «Die Leute schätzen das enorm. Mir geht das selbst schliesslich auch so – früher hatte man immer Bargeld dabei, heute nicht mehr.»

Würdest du dich das als Beck auch trauen?

Da sei man beim Gipfeli-Kauf aufgeschmissen, wenn plötzlich das Kartengerät kaputt ist.

Die Bäckerei setzt nicht zum ersten Mal auf diese Lösung. Schon in der Vergangenheit habe er es so gehandhabt, sagt ter Braak. Beispielsweise, wenn ein neues Kartenlesegerät länger für die Installation brauchte.

Der gebürtige Niederländer, der früher für internationale Konzerne wie Swatch tätig war, besitzt nicht nur die Filiale im Monbijou-Quartier. Er betreibt auch sechs weitere in und um Bern.

Sein Fazit, wenn es ums «einfach mitnehmen und später zahlen» geht, ist mit der Erfahrung aus den Filialen durchwegs positiv.

«Man darf schon noch ein wenig Vertrauen haben»

Neben Dankbarkeit beobachtet ter Braak auch von Staunen bei der Kundschaft über das Angebot. Er schmunzelt: «Einige können es kaum glauben. Wir hatten schon Leute, die darauf bestanden, ihre Identitätskarte als Sicherheit für uns hierzulassen.»

Darauf zu beharren, dass die Kundschaft sofort zahlen müsse, wenn das Kartengerät ausfalle, ist für ihn aktuell keine Option.

Einerseits, weil er überzeugt ist: «Man darf schon noch ein wenig Vertrauen in die Menschheit haben.» Andererseits aber auch, weil ihm bewusst ist, dass die betroffenen Kunden ihr Gipfeli dann bei der Konkurrenz holen würden.

Chef würde es wieder so machen

Das finanzielle Risiko ist für eine Bäckerei zudem vergleichsweise klein. Ein Brot, Sandwich oder Mandelcroissant kostet schliesslich nicht die ganze Welt.

Winzig ist es dennoch nicht, wie ter Braak betont: «In der Nähe hat es viele Büros. Es kommt oft vor, dass unsere beliebten Kanelbullars (Zimtschnecken, Anmerkung d. Redaktion) fürs ganze Team bestellt werden.»

Hast du viel Vertrauen in die Menschen?

Dann rede man schnell von Beträgen um die 30, 40 Franken.

Inzwischen funktioniert die Kartenzahlung übrigens wieder.

Für ter Braak ist aber klar: Er wird es auch in Zukunft so handhaben, wenn das Kartengerät einmal ausfallen sollte. «Definitiv», bekräftigt er.

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