Wallis: 97 Schafe durch Blitz getötet – ist die Wolfabwehr schuld?

97 tote Schafe nach einem einzigen Blitzschlag: Auf einer Walliser Alp wird nun diskutiert, ob der Schutz vor Wölfen neue Risiken schafft.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Blitz tötete auf einer Walliser Alp 97 Schafe.
- Zum Schutz vor Wölfen waren die Tiere über Nacht eng zusammengepfercht.
- Ein Schafzüchter vermutet: Früher hätte derselbe Blitz wohl weniger Tiere getötet.
Begünstigt der Schutz vor dem Wolf das Massensterben durch Blitzeinschläge?
Auf der Walliser Alp Eggerhorn im Binntal hat ein einziger Blitzeinschlag den Tod von 97 Schafen gefordert.
Nun stellt sich die Frage: Sollte man Schafe über Nacht auf engem Raum einpferchen, um sie vor Wölfen zu schützen?
Wie der Vorfall vor gut einer Woche zeigt, birgt diese Massnahme jedoch andere Gefahren.
Der betroffene Schafzüchter Kilian Schnydrig sagt gegenüber dem Walliser Onlineportal «Pomona», dass ein Blitzeinschlag früher vermutlich weniger Schafe getötet hätte. Noch vor einigen Jahren sei ein solches Zusammenpferchen über Nacht nicht nötig gewesen.
Schnydrig hat durch den Blitzeinschlag mehr als die Hälfte seiner Herde verloren. Rund 80 Tiere hätten überlebt. Ein solches Ereignis kann wirtschaftlich schwerwiegende Folgen haben und Zuchtbetriebe um Jahre zurückwerfen.
«Hätte früher nicht geschehen können»
Auch Schafzüchter Lucien Fellay hat bereits Tiere durch einen Blitzeinschlag verloren, wie er gegenüber RTS berichtet. «Es ist klar, dass früher, als wir noch keine Nachtpferche machten, so etwas nicht hätte geschehen können», sagt er.
Ein Nachtpferch ist ein umzäunter Bereich, in dem Schafe nachts sicher untergebracht werden.

Von Natur aus würden Schafe bei Gewittern nämlich nicht als Herde an derselben Stelle bleiben, sondern Schutz suchen. «Man ist nie zu 100 Prozent sicher, dass es nicht passieren kann, aber sicher nicht in dieser Zahl.»
Isabelle Germanier von der Westschweizer Sektion der Gruppe Wolf findet, dass der Fall komplizierter ist, als ihn die Züchter darstellen.
Sie verweist auf die Zeit, bevor der Wolf in die Schweiz zurückgekehrt ist. Damals seien Schafe oft allein und ohne jeglichen Schutz, wie etwa einen Nachtpferch auf den Alpen, gelassen worden.
Weitere Todesursachen bei Schafen
Damals hätten beispielsweise nicht erkannte und nicht rechtzeitig behandelte Krankheiten oder Verletzungen durch Stürze zum Tod der Tiere geführt.
Germanier dreht die Argumentation der Züchter um. Es sei eher umgekehrt: «Die Rückkehr der Nachtpferche und damit der Behirtung hat die Sterblichkeit stark eingeschränkt.»
Germanier steht mit ihrer Einschätzung nicht allein. Auch die Dienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis teilt diese Sichtweise. Beide gehen davon aus, dass der Tod der 97 Schafe auf Pech zurückzuführen ist.
Eine Entschädigung erhalten die Züchter nur über ihre private Versicherung. Eine staatliche Absicherung für solche Fälle gibt es im Kanton Wallis nicht. Es fehlt eine obligatorische kantonale Versicherung für derartige Verluste.













