Stadt Bern

Werbe-Zoff: Jetzt erhalten Lädeli-Besitzer politische Unterstützung

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

FDP-Stadträtin Simone Richner hat eine Motion eingereicht zugunsten von Aufstellern und Auslagen im Fussgängerbereich.

Simone Richner
FDP-Stadträtin Simone Richner hat eine Motion eingereicht, die eine neue Regelung für Aussenwerbung der Altstadt-Geschäfte fordert. - Daniel Zaugg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Bern erlaubt Laden-Werbung auf Trottoirs und unter Lauben nur noch im Ausnahmefall.
  • Dies ärgert Ladenbesitzer in der Altstadt, deren Geschäfte oft nicht so leicht einsehbar sind.
  • Nun liegt dem Gemeinderat eine Motion vor, die eine Neuregelung verlangt.

Der Konflikt zwischen Altstadt-Läden und Stadt Bern schwelt seit Wochen: Auf dem Trottoir dürfen keine Werbemittel wie Kartenständer, Schaufensterpuppen oder Auslegeware mehr aufgestellt werden.

Vollends eskaliert ist der Zoff um die neuen Regeln für Werbung und Auslegeware dann Mitte Juni.

Alain Zingg, Betreiber des Herrenmode-Geschäfts «Kleiderschrank», platzte der Kragen: Auf Social Media machte er seinem Ärger darüber Luft, dass er künftig seinen mobilen Hosenständer nicht mehr aufstellen darf.

Wie viele andere Läden in der Berner Altstadt befindet sich auch der «Kleiderschrank» im Untergrund: In einem der zahlreichen, via fast schon waagrechter Türe zugänglichen Altstadtkeller.

Der Charme der jahrhundertealten Gewölbe hat den Nachteil, dass er für Passanten schlecht von aussen sichtbar ist. Umso mehr sind die Läden auf sogenannte «Kundenstopper» im Fussgängerbereich angewiesen.

FDP-Richner: «Pragmatische Umsetzung»

Nun aber erhalten die Altstadt-Geschäfte Unterstützung aus der Politik. Zusammen mit anderen Bürgerlichen hat FDP-Stadträtin Simone Richner eine Motion eingereicht: Der Gemeinderat soll das Vollzugskonzept für Geschäftsauslagen anpassen.

Unter anderem soll für Keller-, Hof- und Obergeschossgeschäfte oder rückversetzte Ladenlokale eine besondere Regelung geschaffen werden.

Eine FDPlerin, die sich für mehr Regulierung einsetzt? «Es geht nicht um mehr Regeln, sondern um eine pragmatische Umsetzung. Wenn die Stadt Bern das nicht besser hinbringt, müssen wir das halt einfordern», sagt Richner zum BärnerBär.

Kannst du die neuen Regelungen nachvollziehen?

Wenn schon gehe es darum, dass Normen nicht starr und mit Scheuklappen umgesetzt würden, so Richner weiter. «Sondern mit gesundem Menschenverstand individuelle, für den jeweiligen Standort spezifische Lösungen sucht.»

Standorte individuell beurteilen

So wird in der Motion auch gefordert, dass auf die schematische Begrenzung von 50x50 Zentimetern für Aufsteller verzichtet wird. Wenn Platzverhältnisse, Sicherheit, Hindernisfreiheit und Stadtbild es zulassen, soll auch eine grössere Auslage möglich sein.

Die Stadt begründet die geänderten Vorschriften mit der Barrierefreiheit auf Trottoirs und unter den Lauben. Selbstverständlich müsse man Inklusion ernst nehmen und berücksichtigen, sagt dazu Simone Richner.

Aber: «Gerade beim ‹Kleiderschrank› wäre eine sachgerechte Lösung möglich gewesen. Statt starr an vorgegebenen Massen festzuhalten, hätte der konkrete Standort individuell beurteilt werden müssen.»

Entsprechend fordert die Motion sowohl nach Möglichkeit einen Augenschein vor Ort als auch Kriterien für die Werbe-Elemente: Diese sollen standsicher sowie für Menschen mit Sehbehinderungen erkennbar und ertastbar ausgestaltet sein.

Richner gibt sich gegenüber dem BärnerBär zuversichtlich, dass das für alle Beteiligten aufgehen kann.

Sie verweist dazu auf die Gastronomie: «Bei den Restaurants hat man auch eine Lösung für die Nutzung des öffentlichen Raums gefunden.»

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