Parkplatz-Sharing: Löst eine App den Berner Parkplatz-Streit?

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Eine pragmatische Lösung, heisst es beim TCS: Die App «P2park» vermittelt private Parkplätze stundenweise. Die Berner Stadtregierung sieht das aber nicht gerne.

Parkplätze blaue Zone Bern
Blick auf Parkplätze in der blauen Zone an der Jungfraustrasse in Bern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Neu können mit der App «P2park» auch in der Stadt Bern ungenutzte private Parkplätze vermittelt werden.
  • Davon könne das Gewerbe profitieren und die Stadt werde weniger mit Suchverkehr belastet, sagen KMU-Vertreter.
  • Mit dem Auto in die Stadt zu kommen, entspreche nicht den Klimazielen, kritisiert aber die Stadtregierung.

Bringt ein Freiburger die Wende im Berner Parkplatzstreit? Thibaut Ranger bringt seine Sharing-App «P2park» in die Bundesstadt, nachdem sie in der Romandie bereits seit zwei Jahren verfügbar ist.

Mit ihr lassen sich unbenutzte private Parkplätze an Parkplatzsuchende vermitteln. «Genau solche pragmatischen Lösungen braucht es», sagt Sibylle Plüss, Co-Präsidentin der TCS Sektion Bern.

Fürs Gewerbe hilfreich

Lösungen, die den Parkplatzmangel und Parkplatzabbau in Bern abfedern. Davon könne auch das Gewerbe profitieren, ist Leonhard Sitter, Geschäftsführer beim Gewerbeverband KMU Stadt Bern, überzeugt.

Obwohl die privaten Parkplätze wohl in der Regel nicht gerade neben den zuvor aufgehobenen öffentlichen Parkplätzen liegen.

«Gerade für Kunden oder Lieferanten kann ein zusätzlich vermittelter Parkplatz auch dann hilfreich sein, wenn er nicht direkt vor dem Ziel liegt», sagt Sitter zum BärnerBär.

Leonhard Sitter Gastbeitrag Porträtfoto
Leonhard Sitter ist Geschäftsführer des Gewerbeverbands KMU Stadt Bern. - zVg

In der Westschweiz wird «P2park» bereits als «Airbnb für Parkplätze» gefeiert. Doch der Vergleich greife zu kurz, findet Sibylle Plüss vom TCS, werde doch Airbnb meist für längere Aufenthalte genutzt.

«Bei P2park geht es hingegen gerade um eine flexible, bedarfsgerechte Nutzung bestehender Parkplätze, von wenigen Stunden.»

Weniger Suchverkehr – aber gegen Willen der Stadt

Der städtische Verkehrsdirektor, SP-Gemeinderat Matthias Aebischer, befürchtet aber, es würden mit «P2park» demokratische Entscheide unterlaufen. «Das Parlament und der Gemeinderat wollen, dass die Leute mit dem ÖV oder mit dem Velo und nicht primär mit dem Auto in die Stadt kommen.»

Es sei also nicht im Sinne der städtischen Klimaziele, wenn private Parkplätze von Pendlerinnen und Pendlern benutzt würden, betont Aebischer.

«Parkplätze in den Quartieren sind in erster Linie für die Anwohnerschaft gedacht und nicht für eine Drittvermietung.»

Sibylle Plüss TCS Bern
«Solche pragmatischen Lösungen braucht es», sagt Sibylle Plüss, Co-Präsidentin TCS Sektion Bern, zur App «P2Park». - zvg

«Wer Parkplätze digital sichtbar macht, schafft nicht mehr Autos, sondern weniger Suchverkehr», entgegnet dem Sybille Plüss.

Und damit reduziere sich auch die mit dem Suchverkehr verbundene Belastung, ergänzt Leonhard Sitter. Aus seiner Sicht steht die App nicht im Widerspruch zu den Zielen der Stadt.

Gewichtung entscheidend

Im Gegenteil, zählt Sitter auf: «Will die Stadt Bern mit dem Abbau öffentlicher Parkfelder den Autoverkehr verringern, Klimaziele erreichen, mehr öffentlichen Raum für Menschen statt Autos schaffen und das Parkieren stärker auf bestehende private Parkplätze verlagern, unterstützt eine solche Plattform dieses Ziel sogar.»

Matthias Aebischer
Gemeinderat Matthias Aebischer. - Daniel Zaugg

Gleichzeitig räumt er aber auch ein: «Natürlich spielt es eine bedeutende Rolle, welche angestrebte Wirkung wie stark gewichtet wird.» Für das Gewerbe seien eine gute Erreichbarkeit und möglichst effiziente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur entscheidend. «Nachteile für das Gewerbe sehen wir keine.»

Die Stadt Bern wartet noch ab – vor allem auch, weil die Nutzung solcher Vermittlungsangebote in Bern noch gering sei.

Hätte man rein juristisch aber überhaupt eine Handhabe gegen die private Vermittlung privater Parkplätze?

Gemeinderat Aebischer lässt sich nicht in die Karten blicken: «Sollte die Nachfrage deutlich zunehmen, würden wir die Situation vertieft prüfen und die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten sorgfältig abklären.»

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